chotemysl

Montag Morgen. Nach dem sehr warmen Sonntag ist es angenehm kühl.

Über den Parkplatz am Aldi schrillt ein Einbruchalarm.

Ein Streifenwagen fährt vorbei.

Der Altpapiercontainer wurde gerade geleert. Man muss auch mal Glück haben.

In der Warteschlange beim Bäcker stehen verschlafene Gestalten. Nur der Metalhead vor mir scheint wach zu sein. Zumindest bewegt er seinen Kopf im Takt der Musik, die aus seinen Kopfhörern dröhnt.

Langsam bereitet sich die Stadt auf die Arbeitswoche vor.

Freitag, 23.04.2021, 14:46 Uhr Ich trete vor die Haustür, um mir mal wieder dieses „Draußen“ zu gönnen. Macht man ja viel zu selten im Moment.

Auf dem Parkplatz beim Discounter: Ein mageres Männlein mit Baskenmütze parkt seinen großem Mercedes Combi auf einem „für Eltern mit Kindern“ markierten Parkplatz. Ein Mann im dicken BMW hält direkt vorm Eingang des Geschäfts und eine Frau läd ihren Einkauf gemülich in den Kofferraum. Dieses „Draußen“ ist schon interessant.

An der Supermarkt Kasse titelt eine „Zeitung“ mit großen grellen Buchstaben „Heimlich mit Einsperr-Gesetz beschlossen. Gilt ab heute. NACHTREISE VERBOT IN GANZ DEUTSCHLAND“. Tja...

Die Tankstelle meines Vertrauens bietet pro getanktem Liter Benzin 1% Rabatt auf eine Wagenwäsche. Das trifft sich gut, das Auto ist noch voll Winterdreck. Das „Draußen“ entpuppt sich als immer toller!

Meine Tankstelle bietet jetzt auch Apple Pay an. Geht doch!

15:57 Uhr: nach einer Stunde „Draußen“ muß ich sagen, das war toll, das mache ich nochmal!

Letzte Woche bin ich gegen Corona geimpft worden. Mit dem jetzt so verteufelten AstraZeneca. Und natürlich hatte ich Nebenwirkungen, die ich hier kurz beschrieben möchte.

1h nach der Spritze: leichte Kopfschmerzen und müde

12-13h nach der Spritze: die Kopfschmerzen sind weg, dafür habe ich eiskalte Hände und Füße und kriege etwas Schüttelfrost

Gegen 3 Uhr nachts: ich wache mit heißen Händen und Füßen auf, schlafe jedoch wieder ein

Morgens 7:30 Uhr: die Katzen wecken mich und verlangen gnadenlos ihr Fressen. Leichtes Schwindelgefühl und bleierne Müdigkeit überzeugen mich, daß ich noch nicht arbeitsfähig bin. Info an die Firma und zurück ins Bett.

Nachmittags 14 Uhr: ich habe insgesamt 13 Stunden geschlafen, fühle mich besser

48 Stunden nach der Spritze: ich gehe wieder arbeiten

Fazit: 2 Wochen grippaler Infekt in 2 Tag gepresst ist schon sehr blöd, aber es ist für einen guten Zweck. Ich hoffe bei der 2. Spritze auf weniger Nebenwirkungen.

Nachbemerkung: meiner persönlichen und total unrepräsentativen Umfrage in der Firma zufolge, vertragen Männer die Impfung schlechter und leiden etwa 2-3 Tage unter mehr oder weniger starken Symptomen. Frauen haben nur schwache Symptome, arbeiten weiter bzw. erscheinen am nächsten Tag ganz normal zur Arbeit.

Der erste Schnee Im Park stehen fünf Mütter beieinander und quatschen, während ihre Kindern einen flachen Abhang runterrodeln.

Abstand? Schutzmasken? Fehlanzeige.

“Ach, Corona… Corona! Die Kinder müssen raus, sich bewegen. Die haben sich so über den Schnee gefreut!”

Konversation Hoch im Norden Deutschlands lebt das Volk der Friesen. Vom harten Leben an der Meeresküste geprägt, beschränken sie sich beim Reden auf das unbedingt Nötige.

So ist folgender Dialog typisch für die Bewohner dieses Landstrich:

Moin. – Moin. Und? – Muss. Joh. – Ne? Joh. – Moin. Moin.

Damit ist alles gesagt und jeder geht seines Weges. Jedes weitere Wort wird als Gesabbel verurteilt und disqualifiziert den Sprecher auf Lebenszeit für weitere Kommunikation.

Mittwoch: Einkauf im real,-: Am Regal mit dem Klopapier steht ein Hinweis „Nur 1 Paket pro Kunde“. Geht das schon wieder los?

Donnerstag: Einkauf in örtlichen Supermarkt: Die haben nur noch Klopapier, was laut Aufdruck für italienische Hotels gedacht ist. Das hatten sie auch schon im Frühjahr, kauft wohl keiner.

Freitag: Einkauf bei Aldi und Netto: Die Paletten mit Klopapier sind vollständig leer.

Nach dem Angebot von Nudeln und Reis habe ich in den Läden nicht geguckt. Es war mir einfach zu dämlich.

Ich meine, es war im Frühjahr blödsinnig, diese Sachen zu hamstern und es ist jetzt genauso blödsinnig sie wieder zu hamstern. Selbst wenn Beschränkungen eingeführt werden, einkaufen darf man ja weiterhin! Und die Geschäfte kriegen ganz normal jede Woche ihre Ware geliefert.

Im Aldi.

Während der Kunde hinter mir dicht rankommt und seine Käufe aufs Band wirft, halte ich nach vorne mehr als 2m Abstand.

Da raunzt mich die Kassiererin an „Kommen Se näher!“ Ich „Und was ist mit 2m Abstand?“ Sie „Ja, hier vorne bei mir.“ Ich „Aha, und so fange ich mir Viren ein. Ne danke!“ Sie „Die Viren kriegen ja wohl wir!“

Der Kollege von der Nebenkasse guckt mich böse an und brummelt was wie „Hausverbot“ oder „Rauswerfen“. Sicher bin ich nicht. An seiner Kasse stehen die Kunden dicht hintereinander, als gäbe es kein Corona.

Ich packe meine Sachen langsam in den Wagen und überlege, wie ich jetzt reagieren soll. Ein Ruf nach dem Geschäftsführer bringt wohl nichts, die Waren unbezahlt stehen zu lassen würde die Situation sicher eskalieren lassen.

Also bezahle ich und sage betont laut und deutlich „Einen schönen Resttag wünsche ich Ihnen noch!“

Ich bin angenehm überrascht, wie gut die Firma die Corona-Schutzregeln umgesetzt hat und daß sich die Kollegen auch daran halten: – an allen Eingängen stehen Desinfektionsmittel bereit – überall hängen Poster mit Schutzhinweisen – alle tragen Stoffmasken – Bereiche, in denen Kundenkontakt herrscht, sind mit Spuckschutzfolien abgetrennt

So fühle ich mich gut geschützt.

Erkenntnisse aus der Coronazeit:

  1. ich langweile mich nicht, wenn ich nicht zur Arbeit muss. Das war mir grundsätzlich aus jedem Urlaub schon klar, aber diesmal war ein Ende ja erstmal nicht abzusehen. Anfangs hatte ich Sorge, daß mir die Zeit lang werden würde, aber schnell habe ich mich umgestellt und lange vernachlässigte Sachen gemacht: Bücher- und Musik-Datenbanken aktualisiert, mehrere Bücher gelesen, Briefe geschrieben, stundenlang Musik gehört.

  2. meine Frau und ich streiten uns nicht, auch wenn wir tagtäglich zusammen sind. Wenn man die ganze Zeit zusammen in der Wohnung hocken muss, kann es leicht zu Reibereien kommen. Wir haben aber viel gemeinsam gemacht (Gartenarbeit, Fernsehen, kochen und backen) und uns dabei gegenseitig unterstützt und ergänzt. Das läßt mich noch mehr auf die in ein paar Jahren erreichte Rentenzeit hoffen.

Ich gebe auf... Jahrelang habe ich versucht, meine Daten so gut wie möglich zu schützen. Jede App und jedes Programm, die es unterstützt haben, durften ihre Daten auf meiner selbstgehostete Nextcloud ablegen.

Sonntag morgen wurde mir das Update auf Version 16 angeboten. Angestoßen, gewartet, Fehlermeldung erhalten, kein Zugriff über den Browser. Toll!

Mit FileZilla konnte ich auf den Server zugreifen, wusste aber nicht, wo und wie sich der Fehler beheben ließ. Verschiedene Suchen im Internet halfen mir wenig weiter. Es war von irgendwelchen Konsolenbefehlen oder editieren von PHP Dateien die Rede.

In meinem Bekanntenkreis habe ich zwar den Nerdstatus, aber solche Dinge sind zu hoch für mich. Es ist etwas völlig anderes, ein Excel Makro aufzuzeichnen oder Tips und Tricks zu Software zu finden, als zu programmieren.

Nach einiger Suche fand ich auf meinem Server ein Backup der letzten Nextcloud Installation. Nachdem ich dieses und die Daten zurückgespielt hatte, konnte ich mich trotzdem nicht an der Nextcloud anmelden. Wieder verzweifeltes und vergebliches Suchen nach Abhilfe.

Dann beschloss ich, einfach die aktuellste Version zu installieren. Gut 20 Minuten später waren die Dateien hochgeladen, ich konnte mich anmelden und richtete Benutzer und Passwörter so wie vorher ein.

Allerdings meckerte dann mein Passwortmanager, als ich den neuen Link zur Synchonisierung der Datenbank eingab. Egal, was ich versuchte, immer gab das Programm eine Fehlermeldung „falscher Benutzer oder Passwort“ aus.

Im Endeffekt habe ich an dem Tag gut 10 Stunden meiner Lebenszeit sinnlos verschwendet, nur um zuletzt völlig frustriert festzustellen, daß das Problem meine Fähigkeiten übersteigt und ich einfach keine Lust mehr hatte, mich weiterhin damit rumzuschlagen.

Im Moment sieht es so aus, daß ich für verschiedene Apps Daten bei Dropbox speichere. Wo es möglich ist, verschlüssele ich diese mit Boxcryptor. Am Fairphone werden Kontakte und Kalender nur noch lokal gespeichert, mit Backups auf die SD Karte. Meine Frau synchronisiert ihre Kontakte und Kalender über iCloud und nutzt für andere Daten eine eigene Dropbox.

Um meine Daten zu schützen, muss ich sehr viel Arbeit aufwenden und Spezialwissen haben. Für beides fehlt mir aber die Zeit und die Kraft, da ich ja nicht nur einen Vollzeitjob und eine Familie habe, sondern auch noch einige andere Hobbys, die mich deutlich weniger Anstrengung kosten.

Ich fühle mich wie Don Quichotte beim Kampf gegen die Windmühlen. In diesem Fall sind das alle Firmen und Institutionen, die mit Geld und qualifizierten Mitarbeitern nach meinen Daten greifen. Ihr habt gewonnen, ich gebe an dieser Stelle auf.