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Nach fast 200 Jahren der europäischen Aufklärung, die ein der «Reinen Wissenschaft» verpflichtetes Diesseitsdenken propagierte, beginnen Naturwissenschaftler und Psychologen von Format zu erkennen, dass die sichtbare Welt nicht so rational erfassbar ist, wie es sich ein naiver Fortschrittsglaube vorstellte. Es sei nur an C. F. Gauss, A. Portmann und C. G. Jung erinnert, oder an die Aussage von A. Einstein:

«Jeder, der sich ernsthaft mit den Wissenschaften beschäftigt, gelangt zu der Überzeugung, dass sich in den Gesetzen des Universums ein Geist manifestiert – ein Geist, der dem des Menschen weit überlegen ist, und angesichts dessen wir uns, mit unseren beschränkten Kräften, demütig fühlen müssen.»

In der heutigen kopflastigen Zeit liegt es nahe, diesen «Geist» mit Intellekt gleichzusetzen. Früher hätte man ihn wahrscheinlich mit «Gott» bezeichnet. Der Wirklichkeit noch näher als der Physiker Einstein, dürfte der Psychologe C. G. Jung mit seiner Annahme einer «transmundanen Welt» gekommen sein, einer Vorstellung, die sich allerdings schon bei Platon und in allen großen Religionen findet. Heutige kompetente Wissenschaftler geben zu, dass die mathematisch-physikalische Erfassung von Phänomenen wie Supraleitung, Ergebnissen der Raumteleskopen, Gang der biologischen Evolution u.a. stets hinterher hinkt oder chaotische Strukturen aufdeckt. Es zeichnet sich immer mehr ab, dass unsere Umgebung rein intellektuell nicht völlig zu erfassen ist.

Ist es überhaupt möglich, zwischen den wissenschaftlichen Erkenntnissen und der von den meisten heutigen Menschen als irrational betrachteten Religion, eine glaubhafte Verknüpfung zu finden? Gibt es wirklich in der fast unübersehbaren Flut esoterischer Schriften ein Werk, welches nicht nur dem naturwissenschaftlich geschulten Intellekt, sondern auch dem innersten Fühlen gerecht wird?

Im Gegensatz zum Tier, das sich stumpf mit der ihm gebotenen Situation abfindet, steigen in jedem nicht völlig verkommenen Menschen Vorstellungen und Gefühle auf, die aus Sphären zu stammen scheinen, wo keine Erdenschwere herrscht und über allem ein gütiges Licht strahlt, Eindrücke, die weit über das hinausgehen, was von einem computerähnlichen Gebilde, das nach wissenschaftlicher Auffassung das Gehirn darstellt, zu erwarten wäre.

In nahezu allen Religionen sind Erinnerungen bewahrt an eine Überwelt, bewohnt von einem oder von mehreren Göttern, von Geistwesen, welche auf immer in den hellen Regionen verbleiben, und von anderen, die sie verlassen und erst nach einem oder vielen Erdenleben zurückkehren. Wer sich in die Geschichte der verschiedenen Glaubensformen vertieft, kann kaum bezweifeln, dass es tatsächlich Menschen gegeben hat, welche schon in ihrem Erdenleben den anderen Verborgenes erkannt haben.

Seit langem schon ist auch der Glaube verbreitet, um dieser im Innern erahnten Überwelt willen, dem Irdischen Leben entsagen zu müssen und sie nur in der Einsamkeit oder in Gesellschaft Gleichgesinnter finden zu können.

Um im folgenden Verwirrungen zu vermeiden, mĂĽssen zwei Bereiche des Seins ganz klar auseinander gehalten werden:

  • Die Welt der Materie, mit ihren sichtbaren und unsichtbaren Dingen, die wir in unserem Tierkörper als Realität erleben.
  • Die unseren gegenwärtigen Erdensinnen unzugängliche Welt des Geistes, welche nur unserem Innersten manchmal fĂĽhlbar werden kann. Diese Welt ist die wahre Heimat des geistigen Kerns eines jeden Menschen, aus der er bei der Geburt gekommen ist und in die er beim Tode wieder zurĂĽckkehren wird.

Beide Welten durchdringen einander. Die Sinne des Erdenkörpers können nur materielle Dinge wahrnehmen, bei besonderer Artung ausnahmsweise auch die für andere Menschen unsichtbaren, aber ebenfalls der Materie zugehörigen, okkulten Bereiche. Der Mensch, als im Kern geistiges Wesen, erlangt normalerweise erst mit dem Verlust des Tierkörpers wieder den bewussten Gebrauch der Sinne seines geistigen Leibes, welche durch die Inkarnation in einen Tierleib erblinden.

Die materielle – und damit auch die okkulte – Welt verschwindet beim Sterben und wird durch die Realität der geistigen Welt ersetzt. Nur die während des Erdenlebens in das unvergängliche Bewusstsein aufgenommenen Erinnerungen und seelischen Eindrücke verbleiben.

Da jeder Mensch auch während seines Erdenlebens, im Gegensatz zu den ihn umgebenden Tieren, im Kern ein geistiges Wesen ist, wird sein geistiger Leib von den Verstorbenen als Realität wahrgenommen.

Für die Gesamtheit des Seienden, innerhalb dessen die Welt der Materie, das Universum, nur ein Randgebiet darstellt, existiert keine allgemein gültige Bezeichnung. Im folgenden wird unter dem Begriff «All» die unfassbare Fülle des ewigen und unendlichen Seins verstanden, während das lateinische «Universum» für den in ewigem Wandel begriffenen Sternenraum, mit all seinen belebten und unbelebten, sichtbaren und unsichtbaren Erscheinungen stehen soll. Das Universum ist die gleichsam «äußere» Begrenzung der weit reicher gestalteten geistigen Welt, deren Innerstes das Lichtreich «Gottes» bildet.

Im All nimmt der Mensch eine – man könnte fast sagen: unnatürliche – Zwitterstellung ein. Er ist das einzige Lebewesen, welches die messerscharfe Grenze zwischen dem übergeordneten Bereich, der geistigen Welt, und deren materiellen Randbezirken, dem Universum, durchbrechen kann.

Der Fall in die Materie ist die letzte Konsequenz einer selbstgewollten, überheblichen Abkehr von «Gott».

Der für die Erfahrung des Irdischen, der Annäherung an das Nichts, geforderte Preis ist für den Geistmenschen außerordentlich hoch. Angst, Krankheit, Schmerz, Not, Beschränktheit der Ressourcen bedrohen ständig seinen verletzlichen, aus Elementen der Erde bestehenden Körper, dessen Lebensfunktionen an harte Naturgesetze gebunden sind.

Für den vormals fast grenzenlos freien Geistmenschen, der weder Furcht noch Elend kannte, bedeutet die irdische Geburt einen Fall in die Finsternis, in das nahezu völlige Erlöschen seiner geistigen Sinne, in die engen Fesseln von Raum und Zeit, in die Erfahrung des Beschränkten, dessen sicheres Ende mit dem von der Tierseele instinktiv gefürchteten Zerfall des Erdenleibes vorgezeichnet zu sein scheint.

Trotz des ungeheuren technischen Forschungsaufwandes, haben Astronomen die Grenzen des «Weltraums» noch nicht erreicht. Das Universum ist kein starres Gebilde. Seit dem «Urknall», der angenommenen, noch nicht eindeutig beweisbaren Entstehung aus einer kleinen Kugel, dehnt es sich mit Lichtgeschwindigkeit aus. Ob diese Ausdehnung in Ewigkeiten weiter geht oder schließlich wieder rückläufig wird, kann mit den heutigen astronomischen Kenntnissen nicht sicher entschieden werden. Die Rückläufigkeit, welche schlussendlich zur Vernichtung, aber auch wieder zu einer Wiedergeburt des Universums führt, scheint physikalisch wahrscheinlicher und entspräche auch eher dem ewigen Werden und Vergehen der materiellen Welten. Der Raum wäre in diesem Falle gekrümmt, was sich mit der Aussage im Buch «Welten» deckt: «Wir sind wie im Inneren einer unfassbar gewaltigen Kugel (das All), deren äußere Umgrenzung (das Universum) durch Myriaden von Weltsystemen gebildet wird.». Es gibt auch Astronomen, welche der Meinung sind, unser Universum sei durch die Abschnürung eines weit größeren, materiellen Raumes entstanden. Wer die Geschichte der Astronomie in den letzten Jahrzehnten verfolgt hat, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die gesammelten Fakten den menschlichen Intellekt allmählich überfordern.

Vor etwa drei Milliarden Jahren entstanden in den Urmeeren des Planeten Erde die ersten primitiven Einzeller. Die Luft enthielt damals noch keinen Sauerstoff. Experimente haben gezeigt, dass in einem Gemisch von Meerwasser und sauerstofffreier Atmosphäre durch elektrische Entladungen – der Imitation von Gewittern – ziemlich komplizierte, organische Verbindungen entstehen können. Die mathematische Wahrscheinlichkeit, dass sich solche Moleküle zu vermehren beginnen und sich zuletzt zu enorm komplizierten Gebilden, wie beispielsweise zu einem Elefanten, aufbauen, ist trotz der großen zur Verfügung stehenden Zeiträume praktisch null. Aristoteles hat den Begriff «Entelechie» geprägt und damit die gestaltende unsichtbare Kraft gemeint, die Form und Leben von Pflanzen und Tieren bewirkt. Auch wenn unterdessen die Wissenschaft die langsame Entwicklung der Biosphäre besser verfolgen kann, scheint die Auffassung von Aristoteles nicht überholt. Teilhard de Chardin hat von einem christlichen Standpunkt aus ähnliche Ansichten geäußert, A. Portmann sie aufgrund eigener Beobachtungen postuliert.

Moderne Hirnforscher sind zum Schluss gekommen, dass die Entwicklung zur heutigen intellektuellen Kapazität des Menschen von der rein natürlichen Selektion her nicht erklärbar ist: Es braucht nur wenig abstraktes Denken und schon gar keine künstlerische Begabung, um sich gegen die übrigen Säugetiere durchsetzen zu können. Leicht zu verstehen ist jedoch, dass der geistige Mensch in der materiellen Welt einen hochdifferenzierten Organismus als Bewusstseinsträger benötigt. Deswegen hat auch der Werdegang vom primitiven Einzeller bis zum Homo sapiens, der fähig war mit dem geistigen Bewusstsein eine Verbindung einzugehen, Jahrmilliarden gedauert. Immer wieder wurden, von geheimnisvollen Kräften getrieben, neue Pflanzen und Tierformen entwickelt und erprobt, bis Arten entstanden, die den geistigen Bauplänen einigermaßen entsprachen. Die durch die physikalischen Naturgesetze behinderte biologische Umsetzung, war außerordentlich langwierig, aber in den geistigen Urgründen scheint der Zeitfaktor eine geringe Rolle zu spielen. Ewigkeit ist zeitlos.

Der «moderne» Mensch, in Funden vom heutigen nicht unterscheidbar, existiert schon seit etwa 40’000 Jahren auf der Erde. Er war noch Zeitgenosse des Neandertalers. Wann sich die Vereinigung des nach irdischer Erfahrung strebenden Geistmenschen mit dem hoch entwickelten Hominiden erstmals vollzogen hat, wissen wir nicht genau. In Anbetracht der vorausgegangenen ungeheuren Zeiträume ist diese Frage auch unwesentlich. Trotz der leider moralisch schwachen Entwicklung des Homo sapiens scheint die Erde ein sehr beliebtes Ziel des Geistmenschen zu sein. Besiedelten im Jahre 8000 vor Christus schätzungsweise 5 Millionen Menschen die Erde, so sind es heute mehr als 7,6 Milliarden.

Wir sind nun dort angelangt, wo wir uns gegenwärtig befinden: Im Bannkreis des dicht bevölkerten Planeten Erde, versehen mit einem Leib, der sich nur wenig von dem der höheren Tiere unterscheidet. Die beschränkten Sinnesorgane dieses Leibes, lassen nur einen kleinen Ausschnitt der Umwelt in unser Bewusstsein gelangen. Die Kontakte zu unseresgleichen in den übrigen Bereichen des Universums und – noch weit einschneidender – auch zu der geistigen Welt, sind weitgehend unterbrochen.

Zwischen Geburt und Tod verbringen wir unsere Existenz auf diesem kleinen Planeten, dem eine der Milliarden Sonnen der Milchstraße Licht und Wärme spendet. Betrachten wir den Nachthimmel mit seinen zahllosen Sternen und Galaxien, so gewahren wir durch die winzige Optik unserer Augen die Schwärze des ungeheuren Abgrunds, in dem sich Licht und Leben auf winzige Punkte im All zusammengezogen haben. Die furchtbare Leere des Raums, welche auch für auf anderen Planeten lebende Menschen aus biologischen und physikalischen Gründen – allen technischen Phantasien zum Trotz – für immer unüberwindbar sein wird, grenzt schon sehr nahe an das Nichts, den totalen Gegensatz zur Licht- und Lebensfülle der hohen geistigen Welten, wo die Liebe alle Trennung aufhebt. Wer hat sich nicht als Kind, das noch Erinnerungen an das Licht der Ewigkeit in sich verwahrt, vor dem erstmals bewusst gewordenen Dunkel der Erdennacht gefürchtet? Eine Furcht, die ein Tier nicht kennt, weil ihm Vorstellungen geistigen Ursprungs fehlen.

Auf der anderen Seite tastet sich ruheloser Forschertrieb immer enger in den Mikrokosmos vor. Längst ist erkannt, dass sich auch die Bestandteile der Atome aus noch kleineren Teilchen zusammensetzen. Eine weitere Aufteilung scheint nur eine Frage des technischen Aufwands zu sein. Unbeabsichtigt bestätigen die Physiker damit, was im «Buch vom Lebendigen Gott» steht: «Alles Zerspaltene wird sich ins Unendliche weiter zerspalten, alles Zersplitterte ins Unendliche weiter zersplittern lassen, und immer wieder werdet ihr entdecken, dass sich aus dem, was ihr in seine letzte Faserung zerfasert glaubt, noch neue Fasern lösen lassen.» Die Ergebnisse des CERN lassen tatsächlich nur noch komplizierte Kraftfelder erkennen, deren Erscheinung wirkende letzte Ursache sich der physikalischen Erfassung entzieht.

Für jemand, der sich streng mathematisch-physikalisch mit den Gesetzen der toten Materie, die zumindest statistisch mit starrer Kausalität abzulaufen scheinen, befasst, birgt die Entstehung unserer Erde und das sich später darauf entwickelnde Leben fast unlösbare Rätsel. Die ständig wechselnden «kosmischen» Theorien und die Erklärungsversuche des Sprungs von der chemischen Verbindung zum belebten Organismus, sprechen eine klare Sprache.

Manche modernen Forscher äußern Zweifel an einem mathematisch lückenlos erfassbaren Weltbild. Computerrechnungen weisen darauf hin, dass beispielsweise die Planetenbahnen rein mathematisch schon längst chaotisch geendet hätten. Sie scheinen tatsächlich wie von unsichtbaren Intelligenzen immer wieder korrigiert zu werden.

Der unsichtbare Teil des Universums, die «okkulte» Welt

Tatsächlich sind die Kräfte und deren Wirkungen, die den tieferen Bereichen der Materie entstammen, jenem Teil des Universums, den man «okkult» nennt, und für den sich die Parapsychologie interessiert, physikalisch kaum mehr erfassbar, wie seriöse Forscher auch offen zugeben. Besonders veranlagten Menschen kann dieser Bereich der Natur, unabhängig von ihrer moralischen Haltung, mehr oder minder zugänglich sein. Auch die intelligentesten der dort agierenden Wesen, welche die sichtbare Welt des Lebendigen im Geheimen steuern und leiten, sind niemals fähig, die geistigen Welten zu erkennen und wahre Liebe zu empfinden. Im Gegensatz zum ewigen Menschen unterstehen sie, wie alles Materielle, den Naturgesetzen, die stetigen Wandel schaffen und – wenn auch in ungeheuren Zeiträumen – stetigem Wandel unterworfen sind.

Die schon im Erdenleben im wahren Geist Erwachten, müssen auch die Herrschaft über diese Kräfte erlernen, um von ihnen bei der Ausübung ihrer geistigen Aufgaben nicht gestört zu werden. Sie allein wissen auch mit Sicherheit zu unterscheiden, was – von dem für die meisten Menschen Unsichtbaren – der geistigen und was der okkulten Welt angehört.

Auch die Wurzeln des Bösen reichen weit tiefer als meist angenommen. Noch mehr als im sichtbaren hat sich im unsichtbaren Bereich des Universums die Bosheit des gefallenen Geistmenschen eingenistet, der sich überheblich und mit vollem Bewusstsein von «Gott» abgewendet hat. «Luzifer», ursprünglich der Lichtbringer, aus Liebe und Leuchten eigenwillig in Hass und Dunkelheit gestürzt, versucht, in den Abgrund zu ziehen, wer und was sich immer ihm anbietet. Die bildhafte Beschreibung der Bibel kommt der Wirklichkeit sehr nahe. Der Unterschied besteht nur in der Kontinuität des Geschehens. Dann und wann erliegt einer der «Lichtträger» aus dem Geiste der Anziehung des Dunkeln und reiht sich in hasserfüllter Ohnmacht in die Scharen des Bösen ein, bis er nach Aeonen selbst zu Nichts wird. In unseren Tagen, da sich Zehntausende von Forschern und Ingenieuren mit der Planung und Herstellung immer schrecklicherer Vernichtungsmittel beschäftigen, scheint die Saat der Finsternis morbid zu blühen.

So geistesfern und gottverlassen sind die letzten Bereiche des Universums, dass hier selbst der innerste Kern des geistigen Menschen, der Auflösung verfallen kann, dem einzigen wahren Tod, den ein Mensch nur sterben kann, wenn er seinem eigenen Vernichtungswillen verfällt.

Von allen unsichtbaren und sichtbaren Dingen, die uns auf der Erde umgeben, ist unserem gegenwärtigen sehr eingeschränkten Bewusstsein, der irdische Körper am besten vertraut. Physikalisch gesehen, ein beinahe unglaubliches Wunderwerk – wir teilen es mit den höheren Tieren – dient er dem Geist gleichsam als Taucheranzug in eine ihm sonst unzugängliche Welt.

Die Verbindung zwischen dem ewigen Bewusstsein und dem «Anzug» sind sehr innig, und wir erleben die engen Fesseln unseres Erdenleibes jeden Tag. Wie eng diese Fesseln tatsächlich sind, wird uns vielfach erst in Krankheit oder Not bewusst. Wie sehr unsere «Charaktereigenschaften», die wir schon von unserer Geistseele geprägt glauben, noch in den biologischen Strukturen unseres Körpers wurzeln, zeigen die Beispiele von getrennt aufgewachsenen eineiigen Zwillingen. Sie zeigen trotz völlig anderer Erziehung übereinstimmende Verhaltensweisen, geben ihren Kindern die gleichen Namen, kleiden sich ähnlich oder sind in vergleichbaren Berufen tätig.

Da die ewige Individualität des Erdenmenschen fast völlig von seinem körperlichen Erbgut überdeckt werden kann, ist die Grenzfindung zwischen körperlicher und geistiger Individualität eine der wesentlichsten Aufgaben eines Suchenden, wobei das dem Geiste Zugehörige nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Hinter den Anstrengungen des Menschen, mit Hilfe seiner technischen Intelligenz Apparate herzustellen, welche die Bewegungsfreiheit und die Fähigkeiten von Auge und Ohr ausweiten, steht nicht zuletzt die vage Rückerinnerung an einen Zustand fast grenzenloser Freiheit.

In den geistigen Welten kann diese Freiheit bis zum Fall in die Tiefen des Universums führen, ihre letzten – in die falsche Richtung geleiteten – Impulse auf der Erde zur Zerstörung der Umwelt. Die krampfhaften Versuche, Ortswechsel immer rascher und bequemer zu gestalten, die Kommunikation lückenlos auszubauen und die Lebensdauer des Erdenkörpers möglichst zu verlängern, entspringen dem bewussten oder unbewussten Wunsch, einen geistigen Zustand – das Paradies – auf der Erde zu schaffen.

Von den im Universum geltenden, unerbittlichen Naturgesetzen her beurteilt, ist dieser Versuch von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Die Hilfe, welche unser Erdendasein durch eine vernünftige und maßvolle Anwendung von Technik und Medizin erfährt, ist jedoch durchaus nicht zu verachten, gibt sie doch die Muße, uns auch mit anderen Dingen zu beschäftigen als mit bloßer Nahrungssuche.

Obwohl die Helfer bis zur Rettung des letzten Menschen freiwillig im Bannkreis der Erde verharren werden und somit vom künftigen Schicksal des bewohnten Planeten persönlich betroffen sind, mussten sie sich während der harten Zeit ihrer geistigen Schulung vom eines freien Geistes unwürdigen, ängstlichen Fragen und Sorgen um die Zukunft lösen. Ebenso hat jeder, der das okkulte Reich überstiegen hat, auf «Hellsehen» und «Zukunftsprognosen» bewusst verzichtet.

Ewiges Leben ist vor allem ewige Gegenwart und fern der Neugierde und Furcht vor vergangenem und kĂĽnftigem Geschehen. Beide Regungen entspringen nur der zeitgebundenen Existenzangst der Tierseele.

Das Hoffen auf eine überirdische Macht oder einen Messias, welcher die politischen und moralischen Verhältnisse zur Zufriedenheit aller ordnen könnte, ist zwar sehr romantisch und bequem. Realistisch gesehen, wird aber eine Verbesserung des Erdendaseins davon abhängen, in wie vielen Menschen tätige Liebe zum Mitmenschen und zur uns umgebenden wunderbaren Schöpfung erwacht ist, oder anders ausgedrückt, davon, ob die «Kinder des Lichtes» oder die «Kinder der Finsternis» mehr Einfluss auf das irdische Geschehen haben werden.

Wir glauben zu wissen, dass die Sonne, welche unsere von Natur so schöne Erde mit Licht und Wärme versorgt, erst in ihrer Lebensmitte steht. Sie kann noch für Jahrmilliarden dem Erdenmenschen leuchten. Wir wissen aber auch, dass die für «unentbehrlich» gehaltenen Rohstoffe in wenigen Jahrhunderten erschöpft sein werden. Der Menschheit wird somit nichts anderes übrig bleiben als sich den Gesetzen der belebten Natur wieder einzuordnen und anzupassen. Dies kann auf einsichtige und friedliche Weise geschehen oder z.B. in dezimierenden Kriegen / Ereignissen.

Es ist zu hoffen, dass sich die Menschen noch beizeiten ihrer positiven Kräfte bewusst werden, die in der Liebe zur Erde und zu allen Mitgeschöpfen gründen. Tiere und Pflanzen sind nicht gefühllose, computergesteuerte Automaten, wie uns die Gentechnologen dies gerne einreden möchten.

Lebewesen reagieren auf Stimmungen und Harmonien oder Disharmonien in ihrer Umgebung. Versuche haben gezeigt, dass Pflanzen bei Mozartmusik besser gedeihen als mit Hard Rock. Was für Pflanzen und Tiere zutrifft, gilt in noch weit höherem Maße für den Menschen.

Erst wenn jeder in dem anderen – trotz aller offenkundigen Schwächen – wieder den ewigen, aus dem Lichte stammenden Mitmenschen sieht, wird ein menschenwürdiges Zusammensein der Völker und Rassen möglich sein.

Am ewigen Leben und selbst in irdisch-geologischen Zeiträumen gemessen, ist das Erdendasein eines Menschen enorm kurz. Die wichtigste Aufgabe während der kurzen Erdenspanne ist die Arbeit an sich selbst, das Zurückfinden zum eigenen geistigen Sein, das im Gegensatz zu dem, was sich auf der Erde abspielt, nicht dem Gesetz von Zerstörung und Umwandlung unterworfen ist. Es wäre daher nutzlose Kraftvergeudung, wenn ein Mensch seine ganze körperliche und seelische Energie für die Beseitigung der nun einmal naturgegebenen Unvollkommenheiten des Erdendaseins verwenden würde. Dazu ist unser irdischer Leib ein zu zerbrechliches Gebilde und der Lebensraum der Erde allzu beschränkt.

Ein Mensch, der sich geistgerecht verhält, wird niemals Mitmenschen oder der Umwelt Leid zufügen wollen und für jemanden, der die Aussicht hat, in ein Land voll Liebe und Sonne auswandern zu können, wird es schon eine Forderung des Anstands sein, seinen nun nicht mehr benötigten Wohnsitz den Nachfahren in gutem Zustand zu übergeben.

Vorleben

Fast jeder Mensch erlebt Augenblicke oder Stunden, da ihm die Dinge dieser Erde seltsam fremd vorkommen und eine unerklärliche Sehnsucht im innersten Fühlen auslösen: Heimweh beim Anblick einer großartigen Landschaft oder beim Hören erhabener Musik, angeweht von einem Hauch der Erinnerung an ewige Schönheit.

Die Märchenwelt aller Völker als eine Schöpfung des menschlichen Geistes kennt andere Gesetze als sie uns die Realität lehrt, wo sich das Böse meist eher durchzusetzen scheint als das Gute. Diese Ahnungen strömen unbewusst hinüber aus geistigen Welten und sind deutlich unterschieden von intellektuellem Wunschdenken.

All dies sind fast entschwundene Erinnerungen an die lebendige Realität der geistigen Welt, die wir vor unserer Geburt erlebt, empfunden, gesehen und gehört haben, weit intensiver als in unserem Robinson-Dasein auf dem kleinen Planeten Erde.

So abgründig war der Fall aus dem ewigen Licht in die Nacht der Materie, so lange dauerte schon die Trennung von der wahren Heimat, dass der Geist für die meisten Menschen nur noch wie eine ferne Erinnerung fühlbar wird – am lebhaftesten vielleicht noch in der Kindheit oder in einer echten Liebesbeziehung zwischen Frau und Mann.

Normalerweise hält sich ein Mensch nur für die Dauer seines Erdenleibes im materiellen Bereich des Alls, im Universum, auf. Die in manchen östlichen Religionen als Normalfall angenommene Reinkarnation findet nur ausnahmsweise statt, etwa beim Tod im frühen Kindesalter, bei Selbstmord oder völliger Vertierung.

In jedem dieser Fälle ist es dem geistigen «Ich» nicht gelungen, die Verbindung mit dem Tierbewusstsein zu finden oder aufrecht zu erhalten. Es ist darin leicht die Auswirkung göttlicher Liebe zu erkennen, die dem physisch oder psychisch total Gescheiterten nochmals eine Gelegenheit schenkt, das irdische Leben bewusst zu meistern.

Der Fall des geistigen Menschen in das Erdenleben erfolgt zuletzt zwar plötzlich und zwangsweise, aber er ist nur das Ende eines, auch zeitlich, sehr langen Weges, der von Gottesnähe in immer gleichsam dichtere und entferntere Bereiche des Alls führt, bis in die Nähe des Nichts. Die Abkehr von Gott entspringt nicht einem zwingenden Gesetz, sondern dem freien Willen des geistigen Menschen. Es ist freilich leichter, die Schuld an erduldetem Erdenelend Gott oder Teufel zuzuschieben als sich selber.

RĂĽckkehr

Nach den vorangegangenen Ausführungen wird es verständlich sein, dass wir nach dem Tode in die gleiche Welt gelangen, aus der wir bei unserer Geburt gekommen sind. Der Aufenthalt auf der Erde ist nur eine kurze, wenn auch äußerst wichtige Zwischenstation des unvergänglichen Ich-Bewusstseins, das den wirklichen Menschen ausmacht.

Auf dem Tiefpunkt der Existenz angelangt, gibt dieser Halt die Gelegenheit, die Willensrichtung, die von Gott wegführte, umzukehren und zum wahren Ursprung zurückzufinden. Die Angst vor der unwiderruflichen Vernichtung des Erdenkörpers veranlasst viele Menschen, den Gedanken an den Tod zu verdrängen, der in Wirklichkeit nur die Rückkehr in das Reich des Geistes ist.

Immer wieder hat Jesus, dem die hohen geistigen Welten offen standen, den in Zweifel und Existenzängste verstrickten Menschen zugerufen: «Fürchtet euch nicht.» Dass die christlichen Kirchen lange Zeit ihre Gläubigen mit Gerichtsszenen und Höllenfeuern ängstigten, hatte sehr viel mit irdischer Herrschsucht, sehr wenig mit geistiger Einsicht zu tun.

Die Schilderung persönlicher Sterbeerlebnisse wurde erst möglich durch die Technik der modernen Medizin, welche die vom Körper schon getrennte Geistseele in den wiederbelebten Körper zurückzwingen kann – meist nicht zur Freude der Betroffenen. Die von Menschen jeglicher Bildungsstufe erzählten Erfahrungen sind verständlicherweise zeitlich sehr beschränkt und daher auch teilweise von der meist nicht völlig abgebrochenen Bindung an den Erdenkörper beeinflusst.

Als objektiv urteilender Mediziner kam Moody zum Schluss, dass die Aussagen der Befragten übereinstimmend einen objektiven Sachverhalt wiedergeben und es sich nicht um Phantasievorstellungen handelt. Im Vergleich zum Inhalt des «Buches vom Jenseits» sind die, beispielsweise in den Publikationen Moody’s und Sabom’s geschilderten Todeserlebnisse nur ein flüchtiger Blick durch einen schmalen Spalt der Himmelstür. Wer länger im Jenseits verweilt, kann nicht mehr zurück. Nur die ganz wenigen «Meister» sind fähig, gleichzeitig im Diesseits und in bereits hohen Bereichen des Jenseits bewusst zu sein, wobei im Gegensatz zu den ekstatischen Mystikern das diesseitige Bewusstsein nicht abgedunkelt wird. Dieser Zustand ist nicht durch Übungen, Hypnose, absonderlichen Lebenswandel oder gar mit Drogen zu erreichen, sondern spielt sich für den Betroffenen ganz natürlich ab. Es handelt sich um einen vom Geist her gewollten sehr seltenen Ausnahmefall, der dazu dient, das Licht und die Liebe der Ewigkeit in die materielle Welt zu bringen.

Die verschwindend wenigen, welche diese «Meisterschaft» in einer Generation jeweils besitzen, brauchen selbstverständlich keine Bücher oder religiöse Organisationen, weil ihnen alle dort behelfsmäßig geschilderten Dinge jederzeit real gegenwärtig sind. Äußere Bindungen sind unnötig. Alle Mitglieder dieser Gemeinschaft sind durch geistigen Kontakt untrennbar miteinander verbunden (z.B. EBDAR). Sie, die wahren Helfer aus dem Geiste, bedürfen jedoch einer langwährenden harten Schulung, bis ihr irdisches Bewusstsein wieder in die geistige Heimat zurückfindet, die sie aus Liebe zu den gefallenen Mitmenschen freiwillig verlassen haben. Sie sind die wenigen, die «wissen, woher sie kommen und wohin sie gehen».

Auch im Jenseits, das tatsächlich nur die andere, weit größere Seite des unvergänglichen Alls ist, kann auf die Dauer nur glücklich werden, wer Hass, Habgier und Eigensucht überwindet und alles außer und in sich in Liebe umfasst.

Menschen, die sich auf Erden geliebt haben, werden sich im Jenseits auf gegenseitigen Wunsch unfehlbar wiedertreffen.

Die «Hölle» bereiten sich die ins Jenseits Gelangten selber, wenn sie wegen Mangel an Liebe und Ehrfurcht nicht fähig sind, in die höheren harmonischen geistigen Welten zu gelangen und in den niedersten Gefilden des Jenseits in Streit und Zwietracht mit sich selbst und ihresgleichen verharren.

Im Gegensatz zum Erdenleben, wo auch der Gutwillige jederzeit der Bosheit und der Machtgier negativer Kräfte ausgesetzt bleibt, sind die höheren Geisteswelten von den niederen Reichen aus nicht mehr erreichbar.

Auch die Menschen in den «Strandreichen» des Jenseits finden mit Hilfe der ewigen Liebe nach unsäglich langen Zeiten wieder zu ihrem Ursprung in den hohen Reichen des Geistes zurück, aber die während ihres Erdenlebens gemachten Erfahrungen gehen ihnen in diesen unter Selbstvorwürfen und in Gottferne verbrachten Zeiträumen verloren. Sie haben Leid, Not und die Freuden der Erde umsonst durchlebt. Ihnen wird das Talerlebnis des irdischen Daseins fehlen, von dem sich die Pracht der geistigen Welt um so beglückender abhebt.

Die «Seligkeit» ist aber auch nicht erreichbar ohne die wieder erlangte Einheit von Frau und Mann in individuellem Empfinden von Harmonie und Freude. Die tiefste Sehnsucht des einen Geschlechts nach dem anderen ist bedingt durch mehr oder weniger deutliche Erinnerungen an einen vorgeburtlichen Zustand der vollkommenen Vereinigung mit dem seit Ewigkeiten zugehörigen Partner.

In der verdunkelten Erdenexistenz ist es dem zum Einzelpol gewordenen Menschen meist nicht mehr möglich, seinen ureigenen Gegenpol zu finden und zu erkennen, da sich die Erdenwege der Getrennten nicht unbedingt kreuzen. Da dem geistigen Wesen des Menschen nur die Einehe entspricht, sollte auch in der irdischen Ehe in dem geliebten Partner der ewige Gegenpol gesehen und mit ihm gelebt werden, als sei man auf ewig vereint.

Da sich im Geiste alle, die sich lieben, einander nahe bleiben, wird eine echte Liebe auch nach der Vereinigung mit dem ureigenen Pol weiterbestehen können, wie auch schon auf Erden zwei Ehepaare eine schöne Freundschaft miteinander haben können.

Der Vorbereitung auf die Koexistenz mit dem einstigen geschlechtlichen Gegenpol kommt eine sehr große Bedeutung zu. Schon in der Antike zirkulierte der von Platon überlieferte Mythos, Frau und Mann hätten einst eine vollkommene Einheit gebildet. Die dauernde Vereinigung der beiden individuellen und völlig gleichwertigen Pole ist gleichsam die «Normalform» des geistigen Menschen vor seinem Fall in die Materie. Erst mit der Inkarnation in einen Erdenkörper, der sich nur getrenntgeschlechtlich fortpflanzen kann, reißt die innige Verbindung entzwei. Einen Wechsel zwischen Männlich und Weiblich gibt es nicht. Jeder Pol behält sein Geschlecht für alle Ewigkeit.

Der höchste und innerste Bereich des Geistes, das Reich der vollkommenen Erfüllung, ist das letzte Ziel des heimkehrenden Menschen. Dort wird er auch seine von Ewigkeit her gegebene Individualität, seinen «Namen», wieder finden.

Das All, im weitesten Sinne, umfasst die Unendlichkeit der realen geistigen Welten und die Begrenztheit der sichtbaren und unsichtbaren Bereiche der materiellen Welt. Gleichsam als «Animatoren» gesellen sich dazu die Urseinskräfte, willensträchtige Schöpferkräfte aus dem Zentrum des Alls, welche Leben in den höchsten wie in den tiefsten Welten wirken. Diese an und für sich blinden «Urseinskräfte» schließen sich um Bewusstseinszentren, je nach ihrer Art um geistige oder tierische. Dumpf-triebhaft und mitleidlos-verspielt, bilden sie die Seele eines Tieres, um nach dessen Tod wieder auseinanderzufallen und von neuem in die Kette unbewussten Lebens eingereiht zu werden. Auch die «Seele» des Körpers, die der Mensch mit den anderen Tieren gemeinsam hat, setzt sich aus diesen niederen Seelenkräften zusammen.

Im Gegensatz zum Tier besitzt jedoch jeder Mensch in seinem, auf Erden kaum fühlbaren Geistkörper, auch ein ewiges individuelles Bewusstsein, um das sich die viel höheren ewigen Seelenkräfte formieren können. Die jeweils zu einem Menschen gehörenden Seelenkräfte, sind keine starren Gebilde, sondern in beständigem Wandel begriffen. Dazu gehören auch Impulse, die Menschen hinterlassen haben, welche keine Zeit oder keine Möglichkeit fanden, ihre individuellen Seelenkräfte im Irdischen auszuleben. Es ist daher sehr wesentlich, sich auf Erden nicht mit unerfüllbaren Wünschen und Sehnsüchten vollzuladen, welche das Weiterwandern in die höheren Geisteswelten behindern würden und darauf warten müssten, im Erdenleben anderer Menschen ihre Erfüllung zu finden. (Da mit diesen «geerbten» Seelenkräften auch ein Rückerinnern an die Existenz des früheren Trägers verbunden sein kann, ist im Osten der Glaube an eine Kette von irdischen Wiedergeburten des unvergänglichen persönlichen Bewusstseins entstanden.)

Das geduldige und unerschütterliche Streben nach hohen, der Individualität des geistigen «Ichs» entsprechenden Seelenkräften – allen materiellen Behinderungen zum Trotz – ist die vornehmste und wichtigste Aufgabe, welche das Erdenleben stellt. Dies sind die Schätze, welche «Rost und Motten nicht fressen können.» Eine Flucht aus dem Alltag ist dazu weder nötig noch förderlich.

Wer sich von seinen familiären und beruflichen Pflichten lösen will, um ganz seiner «Seele» leben zu können, läuft Gefahr, das Opfer von Phantasievorstellungen oder gar von okkulten Mächten zu werden, die Einsame und Geschwächte seit je bedrängt haben.

Nicht Abstand, sondern Hinneigung zu den Menschen und zur Erde entspricht dem wahren geistigen Leben, das keine selbstsĂĽchtige Absonderung, sondern nur allumfassende Liebe kennt.

Die «Struktur» des Alls, grenzt die geistigen und die materiellen Erlebnisbereiche scharf voneinander ab. Zwischen Geburt und Tod, bleibt der nach äonenlanger Wanderung durch immer gottfernere Welten zuletzt auf die Erde gestürzte Mensch, unlöslich im Banne seines irdischen Leibes und der ihn beherrschenden materiellen Gesetze. Die Gefahr, im Dämmerlicht des Gehirnbewusstseins, wie es auch einem höheren Tier zu eigen ist, den Weg zum Licht zu vergessen, zu verleugnen, zu verlachen, ist groß. Zwar kann das ewige Leben nicht verloren gehen, aber nach dem Tode erwacht ein nur dem Materiellen zugewandter Mensch, in den unteren Bereichen der geistigen Welt und findet erst nach Zeiträumen, die irdisch kaum mehr auszudrücken sind, den Weg zu seinem Ursprung zurück.

In den hohen geistigen Welten herrscht allumfassende Liebe, die auch den aus eigener Schuld in die Tiefe gewanderten Menschen helfen möchte. Da der Mensch – seiner Herkunft aus dem Geiste gemäß – ein überaus freies Wesen ist, kommen nur freiwillige Helfer in Frage, und die Hilfe, welche sie bringen, wird niemals Zwang benutzen oder einen Menschen gegen seinen Willen zum «Heile» zu führen versuchen.

Die Verbindung der Geistwelten zum Erdenmenschen bricht nie völlig ab. Aber die Intensität wechselt. So gibt es Zeiten der Hinwendung zum Innenleben des Menschen und Zeiten der Hinwendung zum Erforschen oder zur Beherrschung der Außenwelt. Jesus von Nazareth nahm die schwere Last auf sich, im formell erstarrten Judentum und im brutal regierten Imperium Romanum, die Freiheit des Geistes zu verkünden. Im Werk von Bô Yin Râ tritt uns Jesus als der Mensch entgegen, der er wirklich war: «Gott-» und geistverbunden, liebevoll, mit gewaltiger seelischer Kraft und Humor begabt, natürlich und kein Verächter irdischer Dinge.

Er hat keine Fakirwunder geübt, wenn ihm auch eine gewisse Gabe der Krankenheilung gegeben war, die aber mit seiner geistigen Sendung nichts zu tun hatte, sondern auf Heilkräften seines Erdenkörpers beruhte, wie sie manchmal auch anderen Menschen zu eigen sind. Seine Worte wollten seine Mitmenschen zu Umkehr und Besinnung, zu selbständigem persönlichem Handeln, aufrufen, nicht zu einem sentimentalen: «Macht nur weiter so, ich nehme alles auf mich.»

Mit seinem Kreuzestod hat er viel mehr getan als die Anhänger des bequemen stellvertretenden Opfertodes vermuten. Er hat für alle Menschen den Weg aus dem Bösen ins Gute aufs neue geöffnet und unsäglich erleichtert durch seine Liebe, die ihn selbst am Folterkreuze seine Quäler noch lieben ließ, wie sich selbst. Das ist die frohe Botschaft an alle Erdenmenschen, dass das Reich des Himmels – wie Jesus das Reich des Geistes nennt – nahe gekommen ist und die Macht des Bösen gebrochen wurde. Wie die anderen seiner «Brüder» wird auch Jesus den Bannkreis der Erde nicht verlassen, bis der letzte Erdenmensch den Weg in seine Heimat zurückgefunden haben wird.

In allen Kulturkreisen und zu verschiedenen Zeiten haben die Menschen mehr oder weniger klar von diesem einzigartigen Kreise der «Brückenbauer» gewusst. Auch Lao Tse war einer von ihnen und hat nach der Weise des Ostens gelehrt. Den eigentlichen Urheber der Gralssage kennen wir nicht mehr, aber sie trägt den Stempel eines Eingeweihten. Buddha, eine der vornehmsten Erscheinungen in der Religionsgeschichte, gehörte zwar nicht zu diesem Kreise, stand ihm aber zumindest nahe, wie Indien und Tibet schon rein geographisch dem geistigen Zentrums des «Grals» näher stehen als Europa.

Auch wer sich in Bücher von Bô Yin Râ zu vertiefen beginnt, wird feststellen: dieser Mann hatte nie versucht eine kirchliche Organisation zu gründen oder Anhänger um sich zu scharen. Jede «Beweihräucherung» seiner Person hatte er strikt abgelehnt. Seine Bücher wenden sich an die frei und selbständig suchende Einzelperson. Sie richten sich aber auch nicht gegen irgendeine der bestehenden großen Religionsgemeinschaften. Jede echte Religion bemüht sich ja, ihre Anhänger zur Umkehr, weg vom rein materiellen Streben in Verbindung mit der «transmundanen» Welt zu bringen, im guten Falle angepasst an die psychischen und schöpferischen Eigenheiten der verschiedenen Kulturen und Rassen.

Die religiösen Kulte können wohl Einstieg und Anregung sein, aber der «Weg zu Gott» ist für jeden Menschen anders, so wie er sich individuell von seinem Mitmenschen unterscheidet. Im Gegensatz zur Politik, führt hier eine «Vermassung» nur von echter Religion weg und in die dunklen Abgründe von Massenpsychosen.

Die nur selbstloser Liebe verpflichtete Freiheit der hohen geistigen Welten wird fĂĽr immer unvereinbar mit irdischen MachtansprĂĽchen, Habgier und Zwang bleiben.

Nur Liebe, Glaube und Hoffnung werden auf dem «Weg zum Geiste» weiter führen, dessen oft recht steile Strecken den Instinkten des Erdenkörpers nicht immer zusagen.

Falsch wäre es aber die an und für sich positiven Körper- und Seelenkräfte durch übertriebene Askese zu schwächen und zu untergraben. Es geht vielmehr darum diese Kräfte in eine geist- und gottgewollte Richtung zu lenken. Angeborene Aggressivität lässt sich beispielsweise in positive Tätigkeit, der Sexualtrieb in eine tiefe geistig-körperliche Ehegemeinschaft, der animalische Selbsterhaltungstrieb in Streben nach dem ewigen Leben, umwandeln.

Für die meisten Menschen kann die Umkehr der Willensrichtung auf der Erde nur ein Wegbeginn sein, ein Einspuren auf das unvergängliche Ziel, eine Weg-Vorbereitung, welche aber das Weiterwandern nach dem Ablegen des Erdenkörpers ganz wesentlich erleichtern kann.

Äußerer Erfolg und Stellung, Reichtum oder Armut, Gelehrsamkeit und Schulbildung zählen nicht, einzig der gute Wille und das Verhalten zum Mitmenschen und zu sich selbst.

Der Aufenthalt in der materiellen Welt, im Universum, kann den glücklich wieder in ihre lichterfüllte Heimat Zurückkehrenden, eine neue Empfindung geistigen Reichtums geben, wie sie nur das in Knechtschaft verschlagene Königskind unter dem Tore seines wieder gefundenen heimatlichen Schlosses erfährt.

Menschen, denen es nicht gelingt schon auf der Erde den Wendepunkt, die Umkehr des in die Tiefe strebenden Willens zu erreichen, und den Rückweg zum Geiste ungeachtet aller Widerstände wieder zu suchen, werden nach ihrem Tode den niederen, noch dem Materiellen nahe stehenden jenseitigen Bereichen verhaftet bleiben. Auch sie werden liebevolle Helfer nach fast unendlich langer Dauer letzten Endes in ihre geistige Urheimat zurückleiten. Doch die mühselige Reise in die gottfernen Abgründe des Alls ist vergeblich gewesen. Die Erinnerung an die irdische Existenz, das Leben auf einem Planeten in einem Tierleib, welche dem geistigen Leben eine neue Dimension verleihen kann, wird in der langen Zwischenzeit unwiederbringlich erlöschen.

In jedem Menschen erlebt sich ein unzerstörbares ewiges «Ich», dessen «normales» Daseinsgefühl dauernde Gegenwart in der eigenen Individualität und in der lichterfüllten lebendigen Wirklichkeit der geistigen Welt ist. Die auf Erden alles beherrschende Vorstellung von Geburt und Tod, von Anfang und Ende ist dem eng begrenzten Erlebnisbereich des Erdenkörpers entnommen. Das geistige Leben wurzelt in den freudevollen Sphären des ewigen göttlichen Lichts, nicht in den schwarzen Einöden des Universums. Liebe ist kein sentimentales Gefühl für kurze Augenblicke, sondern die alles Positive vereinigende und verbindende Urkraft des Seins, das ohne Anfang und ohne Ende ist.

Alle Erscheinungsformen des Seins sind voller Leben: Gebrechlich und in stetigem Wandel im materiellen Universum; vollkommen und unvergänglich in den höchsten geistigen Welten, am vollkommensten in Gott. Leben kann nur durch Gegensatz bestehen, aber es ist weniger die Diskrepanz zwischen Gut und Böse oder der Fülle Gottes und dem absoluten Nichts, als vielmehr das ungeheure Spannungsfeld zwischen den gleichwertigen Polen «Männlich» -«Weiblich«, welches alle Welten des Alls und deren Bewohner vom Cherubim bis hin zur Ameise gestaltet.

In der Bibel ist diese Wirklichkeit eigentlich sehr prägnant ausgedrückt: «Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.» (1. Mose 1:27, Luther Bibel). Dass machtberauschter Männlichkeitswahn diese lapidare Wahrheit später umzudeuten versuchte, ändert nichts an der Wirklichkeit, welche die alten Chinesen mit Yin und Yang symbolisierten. Leider dichteten auch hier spätere Männergesellschaften dem weiblichen Pol die negativen Eigenschaften an, die jeder unterdrückte Mensch, sei er weiblich oder männlich, als Überlebensstrategie entwickelt. Die beiden Pole sind absolut gleichwertig. Sie müssen es sein, sonst geriete das All aus seinem ewigen Gleichgewicht.

Der Mensch ist unter den Geschöpfen des Universums das einzige, dessen Existenz mit dem Tode nicht endet, weil sein innerster Kern – mag dies der jeweilige Träger im Dunkel der Sternennacht erkennen oder nicht – aus dem ewigen Geiste stammt und wieder in seine urewige Heimat zurückkehren wird. Ihm verbleibt die durch sein Erdenleben verliehene «Prägung» seiner geistigen Form sowie die Impulse seines guten oder schlechten Handelns.

Das von naiven Gemütern jeglicher Religion ersonnene «Jenseitige Gericht» ist nichts anderes als die Wirkung unabänderlicher geistiger Gesetze, welche Gleichgesinnte in voneinander isolierten «Zirkeln» zusammenführen. Man kann sich leicht vorstellen, dass Himmel oder Hölle von der in jedem Kreise herrschenden Gesinnung abhängt.

Die in hohen Kreisen in Liebe und Freude Vereinten bleiben unerreichbar für störende Bosheit aus der Tiefe. Das Dasein in der göttlichen Unendlichkeit ist für einen Erdenmenschen nicht mehr vorstellbar, da es über jedes irdische Gleichnis und Bild hinaus führt.

Es sei darauf hingewiesen, dass diese kurze und allzu nüchterne Zusammenfassung des Lehrwerks von Bô Yin Râ vom eher naturwissenschaftlichen Aspekt her in keiner Weise dem unerschöpflichen Inhalt seiner Bücher und Bilder gerecht werden kann.

Otto G. Lienert: Bô Yin Râ, Lehre und Biographie - Original 1994 als Broschüre im Kober Verlag AG Bern erschienen; hier in leicht überarbeiteter Form unterteilt, gekürzt sowie neu formatiert. Über «Richtigkeit» oder «Unrichtigkeit» des Inhalts vermag sich der Veröffentlicher auf write.as kein Urteil zu erlauben.