Apragopolis

Stadt der Müßiggänger

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Die Form der Vergesellschaftung wiederholt sich in mindestens zwei Reproduktionszyklen der Kapitalakkumulation, nämlich einmal als Sach- und einmal als Finanzkapital. Beide Zyklen bilden Bemessungsstrukturen der Verteilung und Sicherung von Lebenschancen aus. Der damit korrespondierende Referenzzirkel ist schwer zu beschreiben, weil er hoch komplex und sehr undurchschaubar ist. Die ganze Bourdieusche Soziologie, aber auch die ganze Soziologie der Lebensstilforschung und der Rational-Choice-Theory ist damit beschäftigt, die Ermessung von Lebenschancen zu beschreiben und zu analysieren. Mit solchen Überlegungen hatte die Marxsche Theorie zwar frühzeitig begonnen, leider aber ist die marxistische Theorie im Anschluss an den Ansätzen von Marx und Engels der Komplexität der Gesellschaft nicht gerecht geworden und konnte nur ihre eigene “Bibelarbeit” fortsetzen, indem sie ihre eigenen Wahrheiten ständig wiederholte, was sie bis heute tut.

2._Kapital – Vermutlich wird die Einführung eines social credit systems an der Vergabe von öffentlich ausgeschriebenen Aufträgen und den daran sich knüpfenden Bedingungen versucht werden: Aufträge bekommt, wer die erzieherischen Vorgaben des Staates erfüllt; und die Bemessung der Ergebnisse entscheidet darüber, ob Folgeaufräge erteilt und wie sie entgolten werden. Man kann sich leicht vorstellen, dass diese Vorgaben auf die Belegschaft durchgesetzt werden. Mit einer Impfpflicht durch die Hintertür deutet sich das an. Aber es geht dabei nicht bloß um gesundheitliche Erziehung, sondern bald auch um Klimaschutzmaßnahmen und was immer der Staat sich einfallen lässt, um seine Ansprüche an Kontrolle durchzusetzen. Wichtig ist aber, dass, da solche Kontrollansprüche global gestellt werden, die Staaten selbst unter die Erwartung geraten, Kontrollansprüchen von Konzernen gerecht zu werden. Ein Ratingverfahren von Banken gibt es bereits. Damit wird die Kreditwürdigkeit von Staaten bemessen. Es spricht nichts dagegen, dass sowohl UNO-Organisationen, darunter auch die WHO, die bald gänzlich den Sonderinteressen von Stiftungen gehorchen wird, oder global operierende Digtalkonzerne solche Kontrollansprüche stellen, welche wiederum eine Auswirkung auf Gesetzgebungen haben werden. Das heißt, dass nicht nur Konsumenten und Unternehmen in einem solchen social credit system eigebunden würden, sondern Staaten ebenfalls. Die Rückkoppelungseffekte, die solche komplexitätssteigernden Kontrollen hervorrufen, dürften betrachtlich und nicht so einfach der Optimierung zugänglich sein.

Deshalb vermute ich, dass die weitere Komplexitätsteigerung die Wahrscheinlichkeit von Willkür eher erhöht als sie durch Automatisierung geordnet werden könnte. Kurz formuliert: vermehrte und verstärkte Kontrolle steigert Willkür und verhindert eine von Absichten geprägte Kontrolle immer mehr.

Fortsetzung folgt

An der Einführung eines social credit systems werden sich die europäischen Staaten die Zähne ausbeißen. Der Grund wird der sein, dass die gesellschaftlichen Widersprüche nicht dadurch aus der Welt kommen, dass man sie anders behandelt. Ein social credit würde eigentlich nur das tun, was auch ohne es schon möglich ist, nämlich: eine Bemessung sehr unterschiedlicher Lebensschancen und die Einrichtigung ihrer Dauerhaftigkeit zum Vorteil derer, die im ablaufenden Prozess der Verteilung von Lebenschancen immer schon genügend Vorteile haben. Ein solches social credit system würde so etwas gar nicht einführen, sondern würde die bereits instituionalisierten Verfahren der “Bemessung” optimieren. Die Einführung dieser Optimierung wird an zwei Punkten einsetzen, nämlich an Kapital und Konsum. 1. Konsum: Wie das laufen wird, sehen wir gegenwärtig vorgezeichnet. Der öffentliche Raum wird bald von Sicherheitsfirmen überwacht. Der Prozess wird ein Salamiverfahren sein: in jedem Jahr eine Scheibe mehr. Zuerst müssen Personenkontrollen im Straßenbahnen noch stichprobenartig von Personal durchgeführt werden. Das wird zu teuer, vor allem, weil man die Willkür des Wachleute feststellen wird. Diese Willkür dürfte nicht ganz ohne Absicht erfolgen. Denn wenn sie festgestellt wird, wird sie nicht geleugnet, sondern man bietet zur Lösung eine Automatisierung der Kontrolle an. Diese Firmen werden großzügig alle Züge mit Kontrollapparaten ausstatten und vom Fahrpreis dafür einen Teil erhalten. Das Versprechen: kostengünstig für alle und Vermeidung von Willkür. Nach dem selben Verfahren kann man den Straßenverkehr einer Überwachung durch Privatfirmen überziehen. Der Fuß- und Fahhradverkehr wird durch Einlassschleusen kontrolliert. Zuerst reicht noch das Smartphone, erst später wird die Schnittstelle in den Körper verlegt. Wenn die Krankenkassen in den nächsten Jahren immer mehr Geld brauchen, werden auch da Sicherheitsfirmen kommen, die eine Lösung anbieten, um das Konsumverhalten der Zwangsversicherten zu kontrollieren. Auch das geht, indem man zunächst Willkür betreibt, damit man sie als etwas Vermeidbares deklarieren kann. Wird außerdem der größte Teil des Konsums erst durch einen dokumentierten Bestellvorgang ermöglicht, dann werden Amazon und alle anderen in dieses Kontrollgeschäft ebenfalls investieren. Etwas ähnliches gilt dann paypal usw. Nach dem selben Verfahren kann man dann den Konsum für Energie, Treibstoff kontrollieren. Die Folge wird dann sein, dass dann auch Loyalitätsbekunden der Bewertung unterzogen werden. Auch das geht auf dem Weg der Versprechung von Optimierung: Die Kunden werden zu Bewertungsäußerungen gebracht, indem zunächst jede Bewertungsabgabe belohnt wird, auch die ablehnende. So findet man man heraus, was die Leute ablehnen. Und erst im nächsten Schritt wird diese Ablehnung wiederum bewertet und führt zur Sanktion, wenn die Ablehnung der Konsumenten auf Ablehnung der Kontrollinstanz stößt. Auch das führt wieder zur Willkür, gefolgt von dem Versprechen, diese Willkür durch Optimierung der Bemessungsverfahren zu vermeiden. 2. Kapital: (Fortsetzung folgt.)