Beffaná 2021

Folge 11: Aische schwitzt

In dieser Folge geht es um Kometen. Kometen sind Dingsies, also Objekte, die durchs Weltall eumeln und dabei Dinge tun, die eigentlich ziemlich unvernünftig sind. Zum Beispiel: Schwitzen.

Kometen sind überhaupt ganz große Schwitzer unter der Sonne! Wobei: Eigentlich sind Kometen ziemlich chillige Eis-Gestein-Mischungs-Dingsis, die einfach so durch die Gegend fliegen und dabei nix tun. Gar nichts. Aber dann kommt ihnen ein Stern in die Quere, die Sonne zum Beispiel, und die Dinger fangen an zu schwitzen, also zu schmelzen, und dabei verlieren sie eine ganze Menge von dem Gas und Wasser und dem ganzen Zeugs, das vorher an ihnen festgefroren war. Und diese Spur aus Zeugs, die sie dann hinter sich herziehen, die nennt man Schweif. Das ist überhaupt der ganze Grund warum die Dinger Kometen heißen. Aus dem Griechischen übersetzt bedeutet Komet Schweifstern. Wie bei einem Pferd. Nur… ist der Schweif eines Pferde meistens keine 100 Millionen Kilometer lang… Das ist dann schon ein Unterschied! Eins haben Pferde und Kometen allerdings gemeinsam: Es ist ihnen vollkommen schnuppe, wie wir Menschen sie nennen. Wir könnten Sie auch Tante Erna nennen: Völlig schnuppe. Und, apropos Schnuppe – und ja, ich verspreche, ich erzähle auch gleich, wie es mit Beffaná und ihrer Crew weitergeht, aber das muss ich gerade noch erzählen – und apropos Schnuppe: Kometen sind keine Sternschnuppen. Verstanden? Komet UNGLEICH Sternschnuppe. Sternschnuppen sind Meteore, das ist etwas völlig anderes, oder zumindest hoffentlich, weil wenn ein Komet zu einem Meteor geworden ist, dann bedeutet das nichts anderes, als dass er in die Atmosphäre der Erde eingetreten ist, und das ist schlecht! Kometen in der Atmosphäre will wirklich niemand haben, „da kommt Weinen von“, so würde man es an Beffanás Heimatuniversität ausdrücken, der Hochschule für Angewandte interkulturelle Regionalgeschichte, Stemwede – Oppenwehe – Rahden. Und Meteore wiederum sind etwas anderes als Meteoriten und auch etwas anderes als Meteoroiden und die sind wiederum etwas anderes als Asteroiden, aber das erspare ich euch einfach mal und verschiebe den Weltraumklumpenunterricht auf irgendwann später. Denn hier geht’s ja eigentlich um eine Hexe und die hat, vielleicht ist das der einen oder dem anderen schon aufgefallen, verdammt wenig gehext in letzter Zeit und statt dessen haben wir viel über anderen unwichtigen Krimskrams gesprochen. Das wird heute anders, Ehrenwort. Es wird gehext und am Ende gibt’s Pizza und ein „Potzblitz!“, das sich gewaschen hat.

Aische weiß nicht, dass wir Menschen sie Komet nennen. Aische weiß nicht einmal, dass es Menschen gibt. Oder Hexen, oder Katzen, oder Pastorenschafe, Mondmänner und Rattenkönige. Vielleicht würde sie’s tatsächlich ganz gerne wissen. Dann hätte sie mal was anderes zum drüber Nachdenken. Stattdessen denkt sie: „Ach Du Kacke, die Sonne schon wieder.“ Und dann: „Irgendwas juckt mich da am Hintern!“ Die Sache mit der Sonne hatten wir ja schon geklärt: Aische ist einer dieser 08/15-Kometen, die in langen ovalen Bahnen um die Sonne kreisen, und weil wir in dieser Geschichte bereits einer ganzen Menge verschiedener Sonnen begegnet sind: Dieses Mal ist DIE Sonne gemeint, also die, die nur einen Katzensprung von der Erde entfernt vor sich hin brutzelt, nur ungefähr 8 Lichtminuten entfernt, was ganz genau 1 AE entspricht, oder noch mal anders ausgedrückt: 150 Millionen Kilometer. Seid Ihr noch wach? Schön. Dieser unserer Sonne jedenfalls kommt Aische alle 120 Jahre ziemlich nahe. Und schwitzt dabei einen ordentlich langen Schweif aus. Noch aber ist es nicht so weit, noch sind es ein paar Jahre, bis es so richtig ungemütlich wird.

Das, was Aische so am Hintern juckt, ist nicht der Schweif, der ist noch ziemlich klein und sie ist schließlich dran gewöhnt. Nein, es geht um etwas völlig anderes. Und das kam so:

Admiral Klumpatsch und seine 7. Raumflotte haben die Zeitmaschine tatsächlich umzingelt. Von recht, links, vorne, hinten, oben und unten. Nur haben sie vergessen, auch die Zeitlinie abzuriegeln, also das Vorher und das Nachher. Das ist die Chance zu entkommen, wofür hat man schließlich eine Zeitmaschine? Blöd nur, wenn der Pilot eingeschlafen ist! Schrödinger ist mit seinen Kräften am Ende. Und Beffaná schaut ratlos auf die Steuerkonsole. Damit hier keine Missverständnisse aufkommen: Beffaná ist gut im Steuern von Fliegereidingsis! Sie ist die Tochter von Leah Grimm, der besten Besenpilotin des Planeten. Aber welcher Hebel war jetzt gleich was? Was macht der hier noch mal? Rückwärtsabspielgeräusch Okay, as war dann wohl der Rückwärtsgang… Stoppgeräusch „Hier spricht Admiral Klumpatsch von der 7. Raumflotte. Wir haben Euch umzingelt. Sagt mir einfach, wie man zu dieser Erde kommt und ich verdampfe Euch schnell und schmerzlos! Andernfalls wird’s ein bißchen ungemütlich.“ Langsam nervt der Typ. Also der andere Hebel. Nur ein winziges Stück und die Zeitmaschine hat die Umzingelung durchbrochen. Leider nur ganz knapp, die Raumflottentypen sind immer noch im Rückspiegel zu sehen. „Koslowsky, volle Breitseite!“ brüllt der Admiral. Nicht gut!, denkt Beffaná. Ah, hier stellt man den Raumvektor ein und da den Zeitvektor, linear bedeutet Raumvektor mal 1, also keine Zeitverzerrung, okay…“ „Kapelle statt Auf-der-Stelle!“, rumpelt Fleur, aber da fliegen ihnen schon die Raketen um die Ohren. „Keine! Eigenen! Reime!“ blafft Beffaná. Ausweichmanöver, schnell…! Raumvektor nach Backbord anpassen, Zeitvektor auf 1 Komma, was wie ich, Potzblitz, hätt ich damals bei Frau Fenchelkeks in Mathe besser aufgepasst…, Zeitvektor auf 1 Komma… 7? Sieben ist doch gut, Sieben ist eine Hexenzahl… „Beffaná, schnell!“ Okay, SIEBEN! Und Backbord, wohin Backbord? Was weiß ich denn??!! „Beffaná!“ „Gespeicherte Ziele! Egal, einfach gespeicherte Ziele drücken…“

Beffaná bemerkt ihren Fehler erst, als sie fast in den Jupiter hineinrast. „Ups!“ „Beffaná?“ „Ja?“ „Hast Du die Zeitmaschine wirklich direkt in unser Sonnensystem gesteuert? Also genau dorthin, wo wir Klumpatsch und seine ver* Raumflotte gerade NICHT hinführen wollten?“ „`Tschuldigung…?“ „Mäh, ich sehe, sie. Sie kommen näher.“

Gut, das ist dumm gelaufen. Das Wichtigste ist, sie von der Erde wegzulocken. Also beim Jupiter eine volle Kehrtwende und zurück in die andere Richtung. Aber wohin dann?

„Kann mal einer Schrödinger wecken? Der kennt sich doch besser aus in der Nachbarschaft. Wo versteckt man sich am besten hinter’m Jupiter?“ „Mäh, er schläft ganz tief und fest!“ „ICH FRESS DIE FAULE MIETZE AUF! Nein… Aufwecken statt Einwecken…“ „Harold, Thomas, Fleur! Eins von Euch wird doch wohl die Karte lesen können! Beeilt Euch ,sie sind mir schon wieder auf den Fersen! Ich brauche einen Platz zum Verstecken!“ „Wie wärs mit den Ringen des Saturn?“ „Ja, nice, geht aber nicht, sind wir gerade vorbei. Was noch?“ „Schon vorbei… Der Kuiper-Gürtel? Das ist der Asteroidengürtel im Außenbereich des Sonnensystems! Oder noch dahinter die Oortsche Wolke…“ „Kuiper-Gürtel ist gekauft! Wohin, wohin?“ „Mäh, Stopp mal Leute, entweder sie geben uns Lichtzeichen, oder die schießen mit Strahlenkanonen…“ Irgendetwas explodiert an der Hinterseite der Zeitmaschine. „Flieg einfach rein und wir suchen uns irgendwas zum Verstecken. Einen Asteroiden, was weiß ich, irgendeinen Weltraumfelsbrocken!“ „Ich kann das verdammte Ding nicht so schnell steuern!“ „Dann fang verdammt noch mal mit Hexen an!“ „Ich, wie?“ „Jetzt mach!!!!“

Hui. Spannend. Kurzer Wissensblock, damit die Verwirrung von Anfang aufgelöst wird: Ein Asteroid ist ein Objekt im Weltall mit einer Umlaufbahn um die Sonne. Ein Asteroid ist größer als einen Meter aber kleiner als ein Planet oder Planetoid. Ein Komet ist ein Asteroid, der auf seiner Umlaufbahn um die Sonne bei Annäherung an die Sonne durch den Sonnenwind einen Schweif aus aufgetautem Gas und Staub entwickelt. Ein Meteoroid (mit d am Ende) ist ein Objekt im Weltall, das die Sonne umkreist und das kleiner ist als ein Asteroid Ein Meteor ist ein in die Erdatmosphäre gelangter Meteoroid Ein Meteorit ist ein Meteor, der nicht vollständig verglüht ist und auf der Erde gelandet ist

Und jetzt die Auflösung. Denn, große Überraschung, Beffaná hat das Hexen doch nicht so ganz verlernt! „Achtung, Vollbremsung!“ „Autsch!“ „Ja. Sorry. Voller Stopp“ „Mäh, sie sind vorbeigeflogen!“ „Rasten statt Rösten!“ „Wo sind wir eigentlich?“ „Wir kleben einem Kometen am Hintern…“

Das ist es also, was Aische so am Hintern juckt. Eine Zeitmaschine. Aische hat nichts gegen Zeitmaschinen, aber die Juckerei nervt auf die Dauer. „Die Juckerei nervt auf die Dauer!“ Das war Aische. Wie alle größeren Himmelskörper spricht sie natürlich nicht menschisch, sondern gravitätisch, eine Sprache, die über winzigkleine Gravitationswellen übertragen wird. Aber anders als Erdmute, Dietmar und Udo, die Geschwister der Sonne, muss sie keinen Rattenkönig für die Übersetzung als Geisel nehmen. Tisches Stimme knarzt duch das Funkgerät. „Hallo, ist da jemand? Die Juckerei! Es nervt!“ „Hallo, hörst Du mich?“, sagt Beffaná. „Sorry, wir sind auch gleich wieder weg. Wir müssen uns gerade nur vor der 7. Raumflotte von Admiral Klumpatsch verstecken.“ „Wer bist Du?“ „Ich bin Beffaná.“ „Was ist das, eine Beffaná?“ „Ich bin… tja, ich schätze, ich bin eine Hexe. Manche sagen: eine Weihnachtshexe.“ „Was ist Weihnacht? Und was ist Hexe?“ „Mäh, sie ist einfach ganz toll und kann alles und hilft allen und sieht einfach blendend dabei aus. Das ist sie!“ „Also könntest Du mir auch helfen?“ dröhnt Aische. „Ich wünsche nicht wie…? Eine schöne Seife zu Weihnachten oder waren Socken brauchst Du nicht zufällig, oder? Ds hätte ich beides noch in meiner Tasche…“ „Das ist nicht besondere viel.“ „Die Tasche ist auch nicht besonders groß…“ „Vielleicht solltest du dir mal etwas größeres anschaffen?“ „Du meinst, einen Koffer? Eine Sporttasche? Einen Einkaufswagen? „Beffaná, ich bin ein 20.000 Tonnen schwerer Felsen im All. Ich weiß nicht, was ein Einkaufswagen ist.“ „Ein Sack, wäre wahrscheinlich auch praktischer. Den kann man schön zusammenfalten, wenn er leer ist und man bekommt trotzdem jede Menge rein…“ „Ich hätte gerne einen Sonnenschutz.“ „Kriegst Du Sonnenbrand?“ „Ich schwitzte. Ich verliere mit jeder Umkreisung der Sonne ein paar Tonnen Gewicht.“ „Okay. Unsere Zeitreisekatze, also unser Technikfredel, der sich vielleicht mit sowas auskennt, der schläft gerade.“ „Das ist kein Problem“, sagt Aische. „Ist ja noch ein bisschen Zeit bis zur Sonne.“ „Dann können wir uns so lange bei dir verstecken, bis Admiral Klumpatsch abgezogen ist und nicht mehr nach uns sucht?“ „Ja, ja. Ihre könnt Eure Karre hinten in der großen Höhle parken. Da finden die Euch nicht. Außerdem bekommt Ihr such was zu essen.“

„Was?!“ Harold, Beffaná, Thomas und Fleur schauen sich abwechselnd mit großen Augen an. Fleur mit rund fünf Dutzend Augen. „Es gibt eine Höhle mit …was zu essen?“ „Ja klar. Heute ist Donnerstag, da gibt’s Pizza. Mit allem.“

„Naja!“, ertönt da ein dünnes Stimmchen von draußen. „Mit allem außer…“ „Natürlich, stöhnt Aische. „Mit allem außer…“ „Warte, warte, warte“, ruft das Stimmchen. „Ihr müsst raten! Mit allem außer was? „Keine Ahnung!“ „Okay. Letzte Chance. Gleiche Antwort, andere Frage: Was ist schlimmer als eine Giraffe mit Halsweh? „Weiß nicht…?“ „Ein Tausendfüßler mit Fuß…“ „Nein! Nicht im Ernst, Potzblitz, Wie kommt Ihr denn hier hin?!“ „Mäh, ich versteht kein Wort!“ „-Pilz, ha, genau! Ein Tausendfüßler mit Fußpilz!“
„Pilze!“ stöhnt Beffaná. „Nicht auch das noch.“