Beffaná 2021

Folge 18: Kein Puzzle für Lars

Früher, sagt der kleine rote Mann in der goldenen Rüstung, früher war alles besser. Früher hatte der kleine rote Mann den Titel Ludovico der Schreckliche, Gottkaiser vom Mars. In der Sprache der Marsianer heißt der Mars natürlich nicht Mars, das wäre schon ein irrer Zufall, wenn ein Planet in der Sprache zweier völlig unterschiedlicher Spezies gleich hieße. in der Sprache der Marsianer heißt der Mars Lars. Das ist allerdings lange her. Längst sind Marsianer ausgestorben und zu Staub zerfallen und nur Ludovico, der sich jetzt einfach nur noch Lars nennt, ist noch übrig. Lars ist übrig, weil er tatsächlich Gottkaiser ist. Von dem Kaiser-teil seines Titels hat er nicht mehr viel, aber der Gott-teil bedeutet, dass er allmächtig und unsterblich ist und daher seiner Heimat seit vielen Jahrmillionen sehr einsam beim Rosten zuschaut. Streng genommen ist Lars nicht allmächtig-allmächtig, sondern war nur sehr viel mächtiger als alle seine ehemaligen Untertanen. Allerdings hatten seine Untertanen die Größe, Gestalt und Intelligenz von Waldameisen. Wahrscheinlich waren es sogar Waldameisen, vermutet Thomas, aber wer kann das schon wissen. „Ich weiß es!“ ruft Lars aka Ludovico der Schreckliche. „Es waren keine Ameisen! Das waren richtige Untertanen. Mit sechs Beinen und Fühlern und so komischen schwarzen Glubschaugen. Total unheimlich, ich sag’s euch.“ „Ich verstehe immer noch nicht, warum du dich bei uns gemeldet hast?“ fragt Beffaná. „Weil ihr diese Werbung im Streaming-Programm geschaltet habt, dass jedes galaktische Monster, das Eure Hilfe braucht, sich melden soll.“ „Du bist 20 Zentimeter groß. Mit Stiefeln!“ sagt Beffaná. „Dagegen ist unser Rattenkönig ein Riese.“ „Ich fress Dich auf!“ sagt Fleur und man weiß nicht so genau, ob Beffaná oder Lars gemeint ist. Da Fleur aber keine Anstalten macht, sich aufzurichten und irgendwas in Richtung Auffressen zu unternehmen, beachtet sie keiner. „Ich bin zehnmal größer als alle meine Untertanen“, sagt Lars. „Glaub mir, ich bin ein Monster. Ich war der Schrecken des Planeten. Manchmal hab ich ein Glas über einen meiner Untertanen gestülpt und stundenlang beobachtet, wie er versucht hat, von innen die Wände hochzuklettern. Aber seit ein paar Milliarden Jahren ist hier tote Hose und es interessiert niemanden, wie schrecklich ich bin. Ich bin traurig!“ „Hast du’s mal mit Puzzeln probiert“, fragt Fleur. „Ein Schwager von mir hat viel gepuzzelt. Hat gegen seine Panikattacken geholfen. Außer der einen…“ „Der einen, was…?“ „Der Panikattacke, als ich ihn aufgefressen habe. Aufgefressen oder assimiliert… Puh… Joachim, bist du da…? Nee. Offensichtlich aufgefressen.“ „Das nächste Puzzle-Geschäft ist 70 Millionen Kilometer entfernt. Helft ihr mir jetzt, oder nicht?“ „Wie sollen wir dir helfen, Lars?“ fragt Beffaná. „Hey, in eurer Werbung klingt das, als wär’ es EUER Job, das zu klären!“ „Bitte, dann gibt’s das Puzzle“, sagt Beffaná. „Irgendwelche besonderen Wünsche?“ „Ich will meine Untertanen zurück und erneut eine Herrschaft des Schreckens auf dem roten Planten errichten!“ „Ich glaube, er will kein Puzzle“, sagt Fleur. „Gut“, sagt Beffaná. „Schrödinger. Was müssen wir tun, damit Lars wieder Schreckensherrscher über seine Ameisen werden kann?“ „Das sind keine Ameisen!“ „Natürlich sind das Ameisen, Herrgott“, schnaubt Schrödinger. „Ich war schon mal hier, ich hab’s mir angeschaut. Du hattest drei mickrige Ameisenhügel und hast dich aufgespielt wie Napoleon.“ „Wer ist Napoleon.“ „Sowas ähnliches wie Alien-Napoleon, nur bei uns auf der Erde.“ „Ah, okay. Alien-Napoleon war cool. Dann will ich sowas werden wie Alien-Napoleon.“ „Nur mit Ameisen.“ „DAS SIND KEINE AMEISEN!“ „Entschuldigung“, blökt Thomas, „nur aus Interesse: Wo gab’s denn mal einen Alien-Napoleon?“ „Blöde Frage. In Alien-Frankreich, natürlich“, sagt Schrödinger. „Also“, sagt Beffaná. „Was können wir tun? Können wir in der Zeit zurückreisen und Lars’ Untertanten irgendwie vorm Aussterben bewahren?“ „Das könnten wir vielleicht“, sagt Schrödinger. „Aber Lars’ Untertanten sind schon seit ein paar Milliarden Jahren nicht mehr da. Wenn wir dahin zurückreisen und sie irgendwie retten, dann mache ich mir so ein bisschen Sorgen, dass sie irgendwann Raumschiffe bauen und die Erde übernehmen, bevor’s da überhaupt Dinos oder Menschen gab.“ „Versprichst du, dass du’s nicht machst?“ fragt Beffaná den Gottkaiser des roten Planeten. „Sorry, kann ich echt nicht machen. Was wär’ ich denn für ein lausiger Alien-Napoleon, wenn ich keine fremden Planeten erobern würde.“ „Dann eben nicht“, sagt Beffaná. „Kommt Leute, wir gehen. Auf der Rückrufliste stehen noch sieben andre Monster.“ „Wir könnten natürlich auch zurückreisen und die Untertanen hierhin bringen“, sagt Schrödinger. „Ich meine, es sind drei Ameisenhügel. Ist unwahrscheinlich, dass die in den nächsten paar Millionen Jahren die Erde bedrohen.“ „Das wär supi“, sagt Lars aka Ludovico der Schreckliche. „Kann könntet ihr vielleicht Frauke mitbringen? Das war meine Lieblingsam….. -untertanin. Die habe ich auch nie gefoltert oder so. Aber die Frage ist ja: Sterben meine Untertanen auf dem heutigen Mars nicht sofort wieder aus? Das wär’ dann ja total ärgerlich, weil dann müsste ich mich nochmal bei euch melden oder `ne schlechte Bewertung geben und das muss ja alles nicht sein.“ „Wenn Du uns eine schlechte Bewertung gibst, dann fress ich dich auf!“ „Ich bin Ludovico der Schreckliche! Ich gebe so viele schlechte Bewertungen wie ich will. Wenn der Service schlecht ist, dann muss es auch miese Bewertungen geben, sonst macht das ganze System keinen Sinn! Also: Sterben sie jetzt sofort wieder aus oder nicht?!“

Schrödinger: Ja, tun sie. Aber mit Hilfe von total cooler ud überhaupt nicht langweiliger Wissenschaft können wir das vielleicht verhindern. Habt ihr Lust auf ein bisschen total coole und Interessante Wissenschaft, Kinder? Kinder: Ja!! Schrödinger: Dann mal los. Um zu verstehen, wie man neues Leben auf dem Mars ansiedeln könnte, müssen wir erst einmal verstehen, was damals beim Mars überhaupt schief gegangen ist. Das Hauptproblem beim Mars ist sein Magnetfeld. Er hat nämlich keins. Besser gesagt: Er hat keins mehr. Oder so gut wie keins. Ein Magnetfeld wie bei der Erde ist aber total wichtig für die Entstehung von Leben. Das Magnetfeld der Erde wirkt erstens wie eine Art Schutzschild gegen die Sonnenstürme. Immer wenn von der Sonne Teilchen ins Weltall geschleudert werden, kann das für das Leben auf einem Planeten gefährlich werden. Mit Schutzschild ist man davor aber sicher. Außerdem hilft dieser Schutzschild auch, dass ein Planet eine Atmosphäre aufbauen und behalten kann. Der so genannte Treibhauseffekt, der bei der Erde momentan so viel diskutiert ist, weil er für die Erderwärmung sorgt, dieser Treibhauseffekt wäre beim Mars total praktisch. Denn auf dem Mars ist es viel zu kalt. Gäbe es ein Magnetfeld und damit vielleicht auch eine Atmosphäre und Wolken auf dem Mars, dann könnte es dort viel wärmer werden. Es könnte wegen der Wolken auch wieder regnen. Vielleicht fragen sich jetzt einige, warum es denn kein Magnetfeld mehr auf dem Mars gibt. Früher hatte er nämlich eins. Das hängt damit zusammen, das ein Planet für ein Magnetfeld einen heißen, flüssigen Kern aus Metall, vor allem Eisen braucht. Wenn ein Planet sowas hat und sich dabei um sich selber dreht, dann erzeugt er Strom, ähnlich wie ein Fahrraddynamo. Und da, wo auf diese Weise Strom fließt, da entsteht auch ein Magnetfeld. Das nennt man Induktion und auch das ist super-coole, überhaupt nicht langweilige Wissenschaft Kinder. Aber das erzähle ich beim nächsten Mal.
Kinder: Ja!! Schrödinger: Der Mars hat deshalb kein Magnetfeld mehr, weil er kleiner als die Erde ist. Darum ist sein heißer Kern auch schneller kalt geworden, das Metall wurde fest, es floss kein Strom und der Magnet war aus. Verstanden? Kinder: Ja!!

„Aber wir können ja den Kern vom Mars nicht wieder heiß machen!“ sagt Lars. „Oder?“ „Nein.“ „Wie sollen meine Amei….“ „Ha, du wolltest Ameisen sagen!“ „Ja, meinetwegen! Okay ich geb’s zu. Es waren Ameisen. Ist doch nicht schlimm! Wie sollen meine Ameisen dann hier überleben ohne Magnetfeld? Dann ist das ja alles umsonst!“ Fleur: „Willst du doch ein Puzzle?“ Schrödinger: „Nein, warte, wir müssen die beiden Dinge, für die das Magnetfeld sorgt, irgendwie anders hinkriegen. Wir müssen einen Schutzschirm gegen die Sonnenpartikelstürme bauen und eine Atmosphäre erzeugen. Und dabei…“ Beffaná: „Potzblitz, jetzt verstehe ich. Und dabei könnten uns ein paar alte Freunde helfen! Schmeiß schon mal die Zeitmaschine an, Schrödinger!“ Thomas: „Mäh! Weißt du was sie meint, Fleur?“ Fleur: „Ja, soeinverdammterMist! Sie meint: PILZE!“