Beffaná 2021

Folge 23: Verstrickungen

Warnung: Die folgende Sendung kann bei unsachgemäßem Gebrauch zu Hirnverknotungen führen. Achten Sie während des Hörens darauf, ausreichend zu trinken und genügend Pausen einzulegen

Es sind mehrere Bibliotheken nur mit Geschichten und theoretischen Abhandlungen über Zeitreisen vollgeschrieben worden. Wenig wird allerdings mit Praktikerinnen, also den Zeitreisenden selbst über das Thema gesprochen. Die sind meist zu beschäftigt damit, alles durcheinanderzubringen.
Die gelehrten Geister streiten sich meistes über sehr theoretische Fragen. Zum Beispiel darüber, was geschieht, wenn man in der eigenen Zeitlinie zurückreist, um die Vergangenheit zu ändern. Holger die Waldfee, sag ich nur! Denn die Wissenschaftler
innen streiten sich über diese Frage wie die Kesselflickerinnen: Kann man die eigene Vergangenheit überhaupt ändern? Oder ist die Struktur der Raumzeit so stabil, dass, egal, was man tut, um sie nachträglich zu verändern, doch immer nur das Resultat vom Anfang herauskommt? Oder erzeugt eine Reise zurück in die Vergangenheit eine alternative Zeitlinie, ein Paralleluniversum, das neben der alten Zeitline existiert? Oder kann man tatsächlich die eigene Vergangenheit ändern und schwuppsdiewupps ist auch alles in der Zukunft, man selbst inbegriffen, ganz anders? Die Antwort ist auf diese Fragen hat zwei Buchstaben: Ja. Denn während Wissenschaftler und Schriftstellerinnen fleißig Bibliotheken mit geschredderten toten Bäumen in Buchform füllen, haben es die Praktiker*nnen natürlich alles längst ausprobiert. Nicht systematisch nach dem Schema: Zuerst prüfe ich mal diese Frage, und dann die zweite usw. Sondern vielmehr nach dem Motto: Ey, der Vollidiot hat das letzte Stück Kuchen aufgegessen! Was passiert wohl, wenn ich in der Zeit zurückreise und dafür sorge, dass er keinen Kopf mehr hat. Das war jetzt kein blöder Spruch, sondern ist genauso passiert. Denn: Zeitreisen, das merkt man leider auch bei Schrödinger, macht ein bisschen unempfindlich gegen schlimme Dinge, die man damit so anrichtet. Schrödinger hat mindestens hundert Knoten in seinem Kopf durch seine ständige Zeitreiserei und wenn man ihn Fragen würde, wie er selbst die Sache mit dem Zeitreisen erklären würde, dann würde er nur mit dem Kopf schütteln. Eine Künstlerin zu sein, heißt noch lange nicht, dass man erklären kann, wie genau die Kunst funktioniert. Ein Tänzer mag der beste seines Faches sein, aber ein vollkommen unfähiger Lehrer. Ja, die Raumzeit lässt sich beeinflussen, ja, die Raumzeit tendiert zu einer gewissen Stabilität, so dass Dinge, die man tut, um Entwicklungen zu verändern, häufig genug dazu führen, dass genau das eintritt, was man verhindern will und ja, manchmal macht man etwas Unbedachtes in der Vergangenheit und schwupps, ist man eine Kaulquappe. Proxima hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Sie hatte, genau wie anfangs Schrödinger, keine Zeitmaschine, aber mit den Quantengeschwüren, die ihr schon als Kind immer mal wieder überall am Körper aufplatzten, kann sie wirklich´ lustige Sachen anstellen. Macht sie aber nicht. Sie ist die schlechtgelaunteste Zeitreisende, die man sich vorstellen kann. Noch ein Grund, warum die Wissenschaftstpyen so selten direkt mit Zeitreisenden sprechen. Man wird ungewöhnlich häufig aufgefressen bei diesen Interviews.

„Fleur, was willst du eigentlich mal werden, wenn du groß bist?“ Schrödinger ist langweilig. Nichtstun ist für ihn die schlimmste Sache neben Wirsing. Aber Beffaná berät sich noch mit Philippa, oder „dem Pferd Elsa“, wie er sie heimlich nennt. Wegen Eispferd – Schrödinger ist ein Riesen-Anna-und-Elsa-Fan – und der Kuh Elsa, aber das müsst ihr bei YouTube mal irgendwann selbst nachschauen. Jedenfalls: Schrödinger ist langweilig, weil Beffaná sich mit Philippa berät und ihn nicht dabei haben will. Ganz eventuell hat er ihr, um „ein bisschen Kontext beizusteuern“ möglicherweise gerade die ganze Geschichte seiner Zeitreise erzählt, die den Geschwistern der Sonne ein bisschen Leben in die Bude bringen sollte. Jetzt ist die Hexe sauer über seinen tiefen Eingriff in die Geschichte und da merkt msn mal wieder, dass diese Nichtzeitreisenden ein dickes Problem damit haben, Tempora vernetzt zu denken. Denn es ist ja nichts schief gegangen. Und wäre es doch, würd’s außer Schröderinger sowieso niemand wissen. Der Einzige, der so ein bisschen Überblick darüber hat, was geschehen und was nicht mehr geschehen ist, weil es ungeschehen gemacht wurde, ist die Katze selbst.
Beffaná überlegt jedenfalls zusammen mit Philippa recht verzweifelt, warum Admiral Klumpatsch einen Grund gehabt haben könnte, einen Leviathan in die Protoerde zu schubsen. Und, auch nicht ganz unwichtig, wie Klumpatsch und seine Flotte so weit in die Vergangenheit reisen konnten. Schrödinger haben sie gefragt. Er hat nur leer in die Gegend geschaut und gemeint, er kenne keine anderen Zeitreisenden. Zumindest nicht persönlich. Zumindest nicht solche, die so einen Stunt hinkriegen würden. Da haben sie ihn rausgeschickt wegen Nicht-Besonders-hilfreich-sein-und-dauernd-in-der-Zeitline-herumfummelns. Also hat er versprochen, einen Moment lang nicht zu fummeln und jetzt ist ihm langweilig. „Fleur, jetzt sag schon! Was willst du eigentlich mal werden, wenn du groß bist?“ „Therapeutin.“ „Bitte?“ „Therapieren statt Massakrieren!“ „Fleur, das ist beknackt. Du wärst die schlechteste Therapeutin der Welt! Du bist dir doch nicht mal so richtig sicher, ob du jetzt Therapeutin oder Therapeut werden willst, oder? Mann, Fleur, du BRAUCHST Therapie!“ „Was hat das eine mit dem andren zu tun, Katze? Ich WÜRD DICH AM LIEBSTEN AUFFRESSEN! Aber ich tu’s nicht.“ „Mäh, das stimmt, Fleur habt überhaupt noch nie was aufgefressen, während wir mit ihm… ihr zusammen sind.“ „Miau, halt dich da raus, Pastor! Du bist überhaupt nicht qualifiziert, um Therapeutin zu werden, Fleur! Wie stellst du dir das vor? Willst du einen Kurs an einer Fernuni machen?“ „Ich hab Beffanás Buch gelesen. Und die Tipps darin befolgt. Und so langsam kapiere ich: Das Buch ist sooo schlecht, das kann ich auf jeden FALL besser. AUS DEN FEHLERN VON ANDEREN LERNEN.“ „Das reimt sich nicht mal.“ „Gute Therapien müssen sich vielleicht gar nicht reimen. Auch wenn Beffaná in ihrem Buch was anderes geschrieben hat.“ „Mäh, Beffaná macht keine Fehler?“ „Miau. Sag das noch mal, Pastor…“ „Mäh, gut, vielleicht macht sie manchmal Fehler, aber sie sieht sooooo schlau und kompetent dabei aus!“ Endlich kommt Beffaná zurück. „Leute, wir reisen noch einmal zurück zu den Geschwistern der Sonne. Da hat die ganze Sache mit Klumpatsch und Schrödingers Zetilinienharakiri angefangen.“ … „Was schaust du mich so an, Schrödinger?“ „Miau, ich dachte, da kommt noch ein Potzblitz hinterher.“ „Ich potzblitz dir gleich eine, Katze. Hier wird noch lange nicht potzblitzt!“

Es gib nicht wenige Wesen in unserer Galaxis, die verdanken Proxima ihr Leben. Mit großer Sicherheit gehören die Lenisianer dazu, die Spezies, der auch ein gewisser Admiral Klumpatsch angehört. Die Lenisianer sind allerdings erst die zweite intelligente Spezies, die der gebeutelte Planet Sentus hervorbrachte. Den Gezeitenkräften von drei verschiedenen Sternen ausgesetzt, war Sentus eigentlich kein sehr wahrscheinlicher Kandidat für das Hervorbringen einer intelligenten Zivilisation. Und, seien wir ehrlich, ohne Hilfe hätten es die Lenisianer nie geschafft. Dass Schrödingers fast anmaßendes Experiment, auf einer Welt mal eben Leben zu erschaffen, tatsächlich gelang, lag kurz gesagt an der Schnoddrigkeit – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes – mit der er die Sache anging. Wer lebensstiftenden Urschlamm in eine Pfütze auf einem fremden Planeten kippt, sollte möglicherweise ein bisschen auf das achten, was man einige Milliarden Jahre später „Hygiene“ nennt. Quizfrage: Wenn eine Zeitreisekatze auf einem bisher toten Planeten herumlatscht, und dann schließlich Urschlamm in eine Pfütze kippt, den er einige Lichtjahre weit in seinem Mund transportiert hat, welche DNA würde ein CSI-Team aus Spurensicherungsexpert*innen wohl später auf dem Planeten finden? Die Schrödinger-DNA und die Aminosäuren aus der Ursuppe verstanden sich jedenfalls ganz prächtig. Und weil es auf dem Planeten sonst nicht viel zu lachen gab, verbündeten sich die beiden dauerhaft. Nach dem üblichen Milliarde Jahre andauernden Evolutionshickhack entwickelten sich die Lenisianer und cid so genannten Titanen von Sentus. Letztere Spezies vererbte einen sehr ordentlichen Anteil Schrödinger-DNA an ihre Nachfahren und das hatte Folgen. Eigentlich lassen sich die Titanen von Sentus nicht einmal als eine Spezies beschreiben. Msn stelle sich eine Gruppe Minikleiner Schrödinger-DNA-Schnipselchen vor, wie die wohl reagiert, wenn man ihr sagt: Und macht mal hübsch alle das Gleiche, seit fruchtbar und mehret Euch. Ja genau, nicht mit den kleinen Titanen, weder waren sie sonderlich vermehrungsfreudig, noch wuchsen sie zu ähnlich aussehenden Wesen heran. Es war vielmehr eine sehr bunte Mischung aus Freaks, die nach einigen Millionen Jahren aus dieser Pfütze herausstieg. Die jüngste und kräftigste von Ihnen war Proxima. Und obwohl sie die jüngste war, war sie bald diejenige, die ihre Geschwister vor den Gefahren des Planeten Sentus beschützte. Dabei kam ihr zupass, dass sie über eine üble Form eitriger Geschwüre verfügte, aus denen quantenwirbelgesättigte Flüssigkeit austrat, ein, wie sich bald herausstellte, idealer Schmierstoff für Zeitreisen. Die einzige, bei der er nicht wirkte, war allerdings Proxima selbst. Und so entwickelte sich eine Aufgabenteilung unter den Geschwistern, die zur Rettung der Lenisianer und zum Verhängnis der Titanen von Sentus wurde. Proxima konnte zwar selbst nicht zeitreisen, aber sie hatte einen unglaublichen Instinkt für die Strukturen der Raumzeit. Und so konnte sie Gefahren für ihre Familie und den ganzen Planeten schon weit im Voraus ahnen und dementsprechend handeln. Sie begann, ihre Geschwister mit kleinen Aufträgen vorwärts und rückwärts in der Raumzeit zu schicken, immer mit dem Ziel, ihre Existenz auf Sentus zu sichern und vor allen Gefahren zu schützen. Zwar kann kein Computer das mathematische Rätsel lösen, wie es dem zwischen drei Sternen hin- und hergeworfene Sentus wohl in den nächsten hundert Jahren gehen würde, aber Proxima musste nichts ausrechnen. Sie konnte eins ihrer Geschwister schicken und nachschauen lassen. Die begabteste Kundschafterin von allen war ihre älteste Schwester Eterna, die in weiten Bögen durch die Raumzeit segeln konnte und Proxima bei ihrer Langfristplanung eng zur Seite stand. Schon bald bekam Proxima heraus, dass ihre Existenz keineswegs ein Produkt des Zufalls war, sondern das Resultat einer ungeheuren Verstrickung der Zeitlinien durch ein reitreisendes Wesen Namens Schrödinger. Und mit dem Tag dieser Entdeckung wurde sich Proxima bewusst, dass sie verflucht war, auf ewig mit dem Schicksal dieser Katze verstrickt zu sein. Die fuhrwerkte nämlich munter in ihrer eigenen Vergangenheit herum, und brachte dabei einige Male eine jüngerer Version von sich selbst in große Gefahr. Kurz und gut: Schrödingers Leben und das seiner früheren Ich hing ständig am seidenen Faden. Und damit auch das von Proxima und ihren Geschwistern. Also musste Proxima ein regelrechtes Abwehrbollwerk aus Schutzmaßnahmen errichten, damit Schrödinger keinen Mist baute und ein jüngeres ich von sich umbrachte. Immerwährend brütete Proxima an Plänen, Schrödingers Leben und damit sich selbst zu schützen. Natürlich hatte Proxima schon viele Male erwogen, die Katze einfach zu einem Zeitpunkt zu töten, nach dem kein Unheil für sie drohte Aber wie sollte solch ein Zeitpunkt gefunden werden? Wie konnte Proxima sicher sein, dass die Version der ›Katze, auf die sie eines ihrer Geschwister ansetzen würde, nicht eigentlich dazu bestimmt war, das Leben einer früheren Schrödinger-Version zu retten? Ihr merkt schon: Die Gedanken beginnen sich im Kreis zu drehen und ich sage nur: Willkommen in Proxima Welt. Sie wurde, das darf man wohl so nennen, ein kleines bisschen verrückt während der ganzen Sache. Und zu der Verrücktheit kam schließlich noch das Trauma. Denn wenn man hundert Mal seine Geschwister durch Zeit und Raum schickt, dann geht dabei vielleicht einmal etwas schief und am Ende heult eine. Nämlich Proxima. Ihre Geschwister überlebten die Missionen nicht immer. Bis am Ende nur noch Eterna und Proxima übrig blieben. Und Eterna rebellierte. Sie nannte Proxima eine paranoide Ziege und weigerte sich, länger für Proxima den Laufburschen zu machen und dabei das eigene Leben zu gefährden. Sie verschwand aus Proximas Leben und Proxima stand da, mit all ihrem Wissen über die vergangenen und zukünftigen Gefahren für Sentus, konnte daran aber nichts ändern. Bis ihr Blick auf die überraschend gut gediehene andere Spezies auf ihrem Planteten fiel. Die Puzzle-liebenden Lenisianer waren im Schutz von Proximas Spinnennetz aus Intrigen und Vorsichtsmaßnahmen der eigentlich sicheren Vernichtung entgangen und hatten sich zu einem properen lustigen Völkchen entwickelt. Und so begann Proxima sich diese Leute näher anzuschauen. Da musste es doch jemanden geben, der sich als Mann für’s Grobe eignete.

Ja, das ist eine ziemlich lange Vorgeschichte. Aber sie musste erzählt werden, um zu verstehen, was und warum an dem Tag passiert, an dem Beffaná und ihre Crew in der Zeitmaschine ins Dietmar-Erdmute-Udo-System eintreten. Diese Hexe war erst spät ins Spiel gekommen. Aber Proxima musste einsehen, dass Beffanás Schicksal so eng mit dem von Proximas Urahn Schrödinger verquickt war, dass auch Beffanás Zeitlinien überprüft und beschützt werden mussten. Und leider nicht nur das. Da war ja die Sache mit den verschiedenen Theorien zu Zeitreisen. Und darüber, dass sich Zeitreisepraktiker*innen wie Proxima manchmal lieber auf ihren Instinkt verlassen. Und das ist auch ganz gut so. Weil die Raumzeit manchmal nämlich störrisch sein kann. Und sich Dinge, die eigentlich als ‚save‘ abgespeichert wurden, plötzlich überhaupt nicht mehr ‚save‘ sind. Es gab diesen Moment, da wurde Proxima plötzlich klar, dass mit der Evolution auf der Erde irgendwas nicht passte. Durch irgendwelche Zeitpfuschereien einer Drittpartei (wahrscheinlich Schrödinger, mal wieder), war der Erdkern plötzlich zu leicht. Es gab nicht genug Eisen im Erkern und das gesamte Magnetfeld der Protoerde drohte nicht ordentlich in Gang zu kommen. Und Magnetfeld, das wissen wir ja, ist wichtig für Leben und so. Die Zeit drängte. Bald würde das erste Leben entstehen, die Zutaten waren alle da, es war nur noch eine Frage von eher tausenden als Millionen von Jahren, aber dieses Leben würde wohl keine 20 Minuten durchhalten. Und dann? Keine Beffaná, kein Schrödinger, keine Proxima. Also musste schnell genug Eisen her. Ein Leviathan war die naheliegende Lösung. Diese Riesen trugen Eisen genug in sich und, genau so wichtig, waren mobil. Proxima musste nur noch Klumpatsch Bescheid geben. All diese Details kennt die Hexe natürlich nicht, als sie ins Dietmar-Erdmute-Udo-System eintraten. Aber einige davon. Denn das Gute daran, einen Zeitreisekatzenbuddy zu haben ist ja, dass der kurz vor der Ankunft noch mal eigene Recherchen anstellen kann. Also: Noch mal zurück in der Zeit zu der Stelle, wo er die Ursuppe auf Sentus zurück gelassen hat, sich hinter einen Stein auf die Laufer leben und schauen, was passiert. Nun ist Schrödinger deutlich zuuuu ungeduldig, sich die ganze Geschichte von außen nochmal anzuschauen. Aber bis zu der Stelle, wo Admiral Klumpatsch Eterna al Handlanger ablöste, kommt er dann doch. Und zu seiner großen Überraschung freut sich Beffaná wie ein Schneekönig, als sie davon hört. „Trauer, Trauma, Familienstreit und getrennte Schwestern? Und zwar nicht wie bei Alien-Rote-Rosen, sondern ganz in echt? Endlich einmal Weihnachtshexen-Sachen machen!“ ruft sie. „Und nicht diesen ganzen Zeitreisemumpitz. Allerdings: Eimal muss ich dich noch mal losschicken…“ „Potzblitz!“ ruft Schrödinger. „Du hast Potzblitz vergessen!“ „Nee, meine lieber“, sagt die Hexe und grinst. „Immer noch nicht.“

Admiral Klumpatsch ist äußerst zufrieden mit sich und der Welt, als er von seinem Auftrag in der Casimir-Ausdehung zurückkehrt. Er pfeift sogar leise vor sich hin, als er sich von Koslowsky verabschiedet, sich abends in den Whirlpool legt und fast ein bisschen entspannt ins Bett geht. Der Tagesbefehl am nächsten Morgen ist anders. Er findet nicht statt. Stattdessen klebt ein gelber Post-it-Zettel auf dem Bartresen seiner Küche. Schon das ist seltsam. Denn die Farbe Gelb ist auf Sentus noch gar nichts erfunden worden. Man war bisher einfach zu sehr mit Überleben, Seidenstickerei und Puzzeln beschäftigt. Noch seltsamer ist allerdings, dass der Zettel nicht mit schlurpsigen Grüßen seines Schatzis unterschrieben ist, sondern mit B-Punkt. „Schwing deinen Admiralshintern in dein Raumschiff und lass deine Flotte zuhause. Die Koordinaten stehen unten.“ Natürlich lässt Klumpatsch seine Flotte keinesfalls zuhause. Er bringt sie mit. Alle drei. Er hätte gerne mehr, aber ist gar nicht einfach, in einer Zivilisation aus Puzzle-Freaks genügend okaye Soldat*innen zu rekrutieren. Als er an den Koordinaten ankommt, sieht er zunächst mal: Nichts. Nichts außer einer roten, oben auf dem Dach immer noch ganz leicht verbeulten Zeitmaschine. Klumpatsch fällt die Kinnlade herunter. Er ist so neben der Spur, dass er die beiden Titaninnen, die sich mit einem Flimmern im leeren Raum materialisieren gar nicht groß beachtet. Müsste man das Äußere von Eterna beschreiben, würde es das Bild einer überdimensional riesigen im All schwebenden gelben Qualle wohl ganz gut treffen. „Was ist das für eine seltsame Farbe?“, fragt sich Klumpatsch, als sich auf der anderen Seite des Raumschiffs Proxima materialisiert. Spinnenhaft, über alle Maßen riesig, mit ihren durch Geschwüre verunstalteten Tentakeln nach dem leeren Weltraum greifend. „Willkommen Admiralchen“, tönt da Beffanás Stimme über das Funkgerät. „Du bist gerade Zeuge unserer großen Familienzusammenführung. Wir sind alle noch ganz gerührt.“ „Und wir werden die dysfunktionalen Aspekte der geschwisterlichen Beziehungsdynamik natürlich sehr sauber aufarbeiten, keine Sorge“, tönt dann eine andere Stimme durch das Funkgerät, die Klumpatsch aber nicht zuordnen kann. Er sitzt einen halbe Minute schweigend vor dem Funkgerät und schaut immer wieder zwischen dem roten Raumschiff und den beiden Titanen hin und her. „Aber das ist einfach unmöglich!“ Schreit er schließlich. „Wir haben sie verdampft! Ich habe selbst den Befehl gegeben und das Resultat gesehen! Wir haben mit allem geschossen, was wir hatten. Da war nichts mehr! Das rote Raumschiff ist zerstört, ich habe den Auftrag ausgeführt!“

„Das erfordert dringend ein Potzblitz!“ ´stöhnt Schrödinger. „Jetzt blick ich nicht mehr durch?“ „Jetzt?“ mäht Thomas. „Das ist schlimmer als alt-hebräisch pauken. Es gibt nicht mal Spickzettel irgendwo!“ „Ja“, sagt Beffana. „Ganz offensichtlich sollten wir tot sein. Potzblitz.“