019 Bedeutsamkeit in der Föderation: eine Publikumsbeschimpfung.

#Fediverse

Wen die Aufgeblasenheit von BedeutsamkeitsträgerInnen im Fediverse stört, dem sei Social Media Abstinenz dringend angeraten. Denn dezentrale Netze schützen nicht vor der Unendlichkeit von Dummheit, die wie Zuckerwasser jede Ritze des Palavers durchdringt.

Manchmal widern mich Postings ungemein an. Das ist, so meine ich, ein ganz natürlicher Prozess. Er ist möglicherweise der Tatsache geschuldet, dass ich schon viel zu lange erleben muss, wie sich Leute ungefragt in den Vordergrund drängen und dort posieren. Das wiederum ist eine Frage des Lebensalters und der damit verbundenen schlechten Erfahrungen.

Pech gehabt: So sind die Leute im Panoptikum der Öffentlichkeit einfach. Sie sprechen so laut, dass uns die Ohren dröhnen. Sie bersten dabei vor Selbstliebe und Bewunderung ihrer kleinen Existenzen, tun dabei so, als hätte es vor ihnen noch nie jemand Interessanteren gegeben. Mit stolzgeschwellter Brust paradieren sie vor uns, wie sprichwörtliche Pfauen. Viel buntes Gefieder aber doch nur ein Vogel wie andere. Dumme Menschen sind es einfach, aber sehr enervé. Gegen sie ist kein Kraut gewachsen.

Um der tiefsitzenden Abneigung und die eigenen Misanthropie auf die Spitze zu treiben, kann man Dummheit natürlich auch in Gruppenphänomene katalogisieren.

Man möchte sich, angesichts dieses menschlichen Panoptikums und des damit für einen selbst verbundenen Leidensdrucks wie bei Heimito von Doderer einer der seltsamen Heilkuren des Psychologen Dr. Horn unterziehen. Sich dabei an der schmerzhaften Nasenzange vorführen lassen, damit die Wut, die uns aus den sozialen Medien überfällt, noch verstärkt wird. Solchermassen in unkontrollierbare Rage gebracht, kann sie von erfahrenen Psychologen behandelt und vielleicht gemildert werden.

Doch auch einem anderen Problem entkommen wir durch die Beschreibung der Dummheit nicht. Dass wir, die wir die Dummheit der Anderen behaupten und beschreiben, uns unserer eigenen Fehlbarkeit elegant entschlagen. Darauf hat schon Robert Musil hingewiesen. Ich weiss allerdings, dass ich Andere mit meinen Gedanken nerve. Und das ist doch schon etwas auf dem Weg der Verbesserung des Metaverse.