Zauberwerk

Aus der Natur in die Hexenküche verbracht und dort mit allerlei Gemurmel in die richtige Stofflichkeit verbracht. Vor Nachahmung wird gewarnt.

In der Kindheit, dieser Berg an Kirschen, der vor mir in einem geflochtenen Körbchen lag! Unerlaubt (in mehrfacher Hinsicht) habe ich ihn gierig verzehrt. Der Tabus waren ungeachtet dessen viele.

Erstens: “Ungewaschen”, das war mir aufgetragen worden, “isst man Obst niemals!” Omas mangelnde Gesundheit sei der Beweis. Sie sei einst wegen des Genusses ungewaschener Marillen mit einem Darmverschluss ins Spital eingeliefert und dort operiert worden. An den Folgen der Operation laboriere sie noch immer. Also, vernünftig sein und das Verbot beachten. Ich wunderte mich schon damals, in den umweltnaiven Sechzigerjahren, warum man Gift auf Lebensmittel sprühte.

Zweitens: Kerne seien auszuspucken und nicht runterzuschlucken! Auch dies verursache den berühmt – berüchtigten Verschluss des Darmes oder zumindet einen “Blinddarm”. Von der Entzündung desselben bin ich 67 Jahre verschont geblieben. Trotzdem erinnere ich mich bis heute an die Drohung, welche bis heute an Schrecken nur wenig verloren hat. Geschluckt hab ich die Kerne (als Kind) trotzdem. Einfach so, um auszuprobieren, wie sich das anfühlte.

Drittens: Die ausgespuckten Kirschenkerne seien in die halb geöffneten Faust zu spucken und dann in einer Schale abzulegen. Die Urgrossmutter konnte dies mit Bravour vollbringen, ich hingegen fand diese Prozedur aufwendig und deshalb schlicht inpraktikabel. Ich spukte die Kerne deshalb so gerne aus dem Fenster. Aus den Augen, aus dem Sinn! Es gab Beschwerden, oft von alten Frauen. Und Ohrfeigen, von anderen alten Frauen.

Viertens: Immer um Erlaubnis bitten, wenn man sich an den verführerisch roten Früchtekorb heranmachen wollte. Das war Hausgesetz. Es konnte ja sein, dass es die besonders schönen Herzkirschen waren, die da das Begehren nährten. Diese waren nämlich ausschliesslich (sic!) für den Kirschengeist vorgesehen, den die Mutter für die Winterzeit vorbereitete. Die Kirschen lagen dann Monate in einem Glasballon und reiften zusammen mit dem Ansetzkorn Sommer und Herbst vor sich hin. Nicht einmal daran denken! Alkohol ist Gift für das Kind!

Fünftens: Noch eine weitere Kirschensorte war mit striktem Essverbot belegt: die Vogelkirsche. Sie verursache Erbrechen, mit hoher Wahrscheinlichkeit. Doch in Flur und Feld lockten diese wildwachsenden Kirschen im satten Grün der Baumkronen. Sie zu erklettern war ein zusätzliches Vergnügen. Sie schmeckten bitter und das verstärkte die Lust, etwas Verbotenes getan zu haben.

Ach, bittere Kindheit!

Doch nicht nur Tabu, sondern natürlich auch Zauber umgab die Kirsche. Die Köchinnen im Haus betrieben ihr geheimnisumwobenes Hexenwerk und so wurde Marmelade daraus gemacht, Herzkirschen in hochprozentigem Korn mit Vanillestangen eingelegt, Kompott zubereitet und Kirschenkuchen gebacken. Auch die ungeliebten Kirschenkerne kamen letzten Endes zu ihrem Recht. Sie wurden gewaschen, auf Zeitungspapier ausgelegt und getrocknet: zuerst an der Luft, dann im geöffneten Ofenrohr, dann in Leinensäckchen eingenäht. Erwärmt waren Kirschensteinsäckchen dann wunderbare Wärmespender, die man sich zu Heilungszwecken an den Körper legte.

Ach, die Hexen meiner Kindheit! ___ #Kirschen #Früchte

Dörren als älteste Form der Konservierung. Das Wort “darre” stammt aus dem Althochdeutschen des 11. Jahrhunderts (ahd.: tharra) bzw. dem Mittelhochdeutschen (mhd. darre, derre) und bezeichnet ein Gestell oder einen Schuppen zum Trocknen von verschiedenen Naturprodukten. Das können Obst, Getreide oder Kräutern sein.

Das Dörren zum Haltbarmachen von Lebensmitteln ist schon seit dem Neolithikum bekannt. Mit dem Entzug von Wasser durch Wärme wird den im Dörrgut enthaltenen Mikroorganismen (Bakterien und Pilze), die für den Verderb verantwortlich sind, die Lebensgrundlage entzogen. Die durch die Wärmeentwicklung freiwerdende Feuchtigkeit wird durch den herrschenden Luftzug abtransportiert. Lebensmittel werden dadurch länger haltbar und verlieren stark an Gewicht. Zudem stellt das Dörren bei einer Temperatur zwischen 30 und 60 Grad Celsius eine der schonendsten Konservierungsmethoden dar. Wichtige Vitalstoffe bleiben erhalten.

Es gibt unterschiedlichste Gründe, Pflanzen eigenhändig trocknen zu wollen. Sei es als Hobby, aus gesundheitlichen Gründen oder aus spirituellen Gründen. Überlebensnotwendig ist das Dörren heute nicht mehr, nachdem es im Zuge der Industrialisierung weit effizientere Methoden der Konservierung entwickelt wurden. Es ist wohl mehr eine Frage des Genießens und eines wie auch immer definierten umweltbewußten “Lifestyles”. Ich selbst verwende zur Haltbarmachung und Veredelung von Früchten und Gemüsen meinen Dörrautomaten, der eine gute Entlüftung bei konstanter und regelbarer Temperatur gewährleistet. Diese Automaten werden in bestimmten deutschsprachigen Regionen auch gerne “Dörte” genannt. Insbesondere heikle Lebensmittel mit einem hohen Wassergehalt wie etwa Obst und Gemüse eignen sich für diese Dörrautomaten.

Bei Kräutern hingegen schwöre ich auf auf die gute alte Kräuterdarre, die unüberbietbar umweltfreundlich und praktisch ist. Ihr Grundprinzip ist bei Heilkundigen schon seit Jahrhunderten bekannt, so schreibt etwa der Apotheker Samuel Hahnemann 1793 – 1799 in seinem “Apothekerlexikon” zum Thema Lufttrocknung:

“Zum Trocknen im Sommer wählt man sich einen reinlichen Boden (Trockenboden), dessen eine Dachfläche Vormittags, die andere Nachmittags von der Sonne beschienen werden kann, wo folglich hinreichende Wärme vorhanden ist. An den beiden entgegengesetzten Enden bringt man eine große Fensteröfnung an, welche mit engem Dratgitter bezogen ist, wodurch zwar kein Vogel und keine Katze hereinkommen kann, dem reichlichen Luftzuge aber freier Spielraum verstattet wird. Hier werden an vier Stricken (den Zugang der Ratten und Mäuse zu verwehren) horizontal aufgehangene hölzerne Rähmen mit engmaschichtem Netzgeflechte von Bindfaden bezogen, etwa zwei Fuß breit, worauf die Kräuter locker ausgebreitet werden, dergestalt, daß wo das eine Kraut aufhört, und ein neues anfängt, immer ein vierkantiger hölzerner Stab zur Gränze zwischen beiden querüber gelegt werde, auf dem der Nahme des Krautes entweder aufgeschrieben oder aufgeklebt zu finden ist. Werden die auf diesem Netzgeflechte locker ausgebreiteten Kräuter täglich wenigstens zweimahl umgewendet, so trocknen sie weit gleicher und schneller als die in Bündeln aufgehangenen; das Trocknen in Bündeln gehört höchstens für die saftlosen Gewächse, Thymian, u.s.w.” Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon.

Als Energiequelle benötigt die Kräuterdarre bloß die Sonnenwärme und für die Umverteilung von Feuchtigkeit und Wärme sorgt der Windzug. Bis heute gibt es sie in unterschiedlichen Varianten, so auch als Modell, das gezielt die Sonneneinstrahlung für die Erzeugung der Trocknungswärme nutzt: die sogenannten Solartrockner, die im Freien aufgestellt werden und in ihrer Effizienz bei geeignetem Sonnenschein jener der Dörrautomaten nahe kommt.

Eine Darre selbst herzustellen ist relativ einfach. Wir bauen sie aus mehreren stapelbaren Lagen, die aus Holz und Fliegengitter gefertigt sind und möglichst platzsparend konstruiert werden. Je einfacher die Konstruktion, umso funktioneller und einfacher funktioniert der Dörrvorgang. Klobige Konstruktionen, die benötigten Wohnraum belegen, sind nicht unseres. Nicht jeder besitzt ein Gartenhäuschen oder einen Schuppen samt Garten, in dem behäbige Darren – Schränke mit ausziehbaren Fächern aufgestellt werden können; oft für nur gelegentliche Dörrvorgänge. Wir wollten mit dem von uns gewählten DIY – Modell möglichst mobil sein, es also auf einem Tisch in der Wohnung, im Garten oder auf dem Balkon aufstellen können und gleichzeitig die Möglichkeit haben, sie nach Gebrauch zusammenzulegen und zu verräumen.

Das von mir gewählte Modell besteht aus drei von einander unabhängigen Ebenen, die aus Holzrahmen gebaut wurden, welche mit einem Fliegengitter bespannt sind. Ich habe für die Holzrahmen eine Fläche von 60 X 40 cm gewählt. Eine Seite des Rahmens habe ich straff mit Fliegengitter zuerst an den Ecken bespannt und dann mit einem Tacker am Holzrahmen befestigt. Damit ich die Rahmen übereinander stellen kann und so je nach Menge meiner Pflanzen die Darre erweitern kann, habe ich an den Seiten der Darren Ständer angebracht, die die einzelnen Lagen nicht nur auf Abstand halten, sondern auch mittels einem darauf befestigten Holzdübel vor dem Verrutschen bewahren. Die Holzteile habe ich mit einem umweltfreundlichen und gesundheitlich unbedenklichen Lack angestrichen, auf Metallgitter habe ich wegen allfälliger chemischer Reaktionen mit dem darauf liegenden Dörrgut verzichtet. Ich nahm einfaches Kunststoff-Fliegengitter. Weitere Lagen lassen sich bei Bedarf aufgrund des Baukastensystems leicht ergänzen.

Insbesondere für kleine Kräuter, Blüten, Beerenfrüchte oder Pilze eignen sich derartige Darren wunderbar; für das Trocknen von langstieligen Kräutern eignen sich jedoch am Besten das Binden von trockenen Büschen, die kopfüber an einen schattigen und trockenen Ort aufgehängt werden Das kann entlang von gespannten Schnüren passieren oder auf einer aus Holz gefertigten Kräuterleiste, in der die Stile der Kräuterbüschel einfach unter einem Gummizug eingeklemmt werden und so mit den Blüten nach unten hängen.


#Pflanzen #Dörren

Noch immer – obwohl sich bereits Nebel bereits aus den Wäldern hebt und die Täler hinaufzieht – regnet es. Ein feiner, fast unmerklicher Regen, der beim Öffnen der Fenster sich als leises Rauschen meldet. In feinen Perlen sind seine Tropfen am Balkongeländer aufgereiht. Sonnenstrahlen brechen vereinzelt durch den verhangenen Himmel: der Tag will wieder strahlend werden, so wie in den Tagen zuvor. Doch noch quaken die Frösche in ihrem nassen Element am Desoubre, die Vögel zwitschern verhaltener als sonst. Kein Strassenlärm: auch die unsäglichen Motorradfahrer sind zu Hause geblieben. Sie scheuen die Elemente. J. fragt: “Ob das noch etwas wird heute bei uns?”


#Geräusche #Jura #Regen

Der grelle Blitz – – Dann, nach einer gefühlten Ewigkeit voller Spannung ein anschwellendes. immer lauter werdendes Grollen, dass an den Hängen des eingeschnittenen Tales mit rollendem Echo zu einem Crescendo anschwillt, um sich dann in Getöse dunkel zu entladen. Ein gewaltiges Schlagen der Kriegstrommeln, an dem für Sekunden der Herzschlag auszusetzen droht, aber dann, erlöst, nachklingt in der einsetzenden Stille. Regen fällt auf das grüne Dach aus Bäumen. Die Natur atmet aus. Der Körper zittert im Bett wie Gras.


#Donner #Jura #Nacht

Vor Kurzem, am 7. Mai 2022, hat man auf dem Mars eine scheinbare Tür in der Felsformation des Gale-Kraters entdeckt, berichtet Spektrum der Wissenschaft. Dabei handelt es sich nach Aussagen von NASA- Wissenschaftern um eine natürliche Felsformation mit den Massen 30 mal 40 cm.

Eine Pareidolie sei das, also das Phäomen, Gesichter oder vertraute Gegenstände in der Umgebung zu sehen. Die NASA führt zu diesem Thema auf ihrer Webseite gleich eine Anzahl von Space Oddities an: unterschiedliche Gesichter, Symbole, Umrisse. Das bekannteste in dieser Reihe ist das sogenannte Marsgesicht.

Wikipedia definiert folgendermassen:

Pareidolien sind das Resultat bewusst oder unbewusst hervorgerufener Fehldeutungen durch das menschliche Gehirn: Dieses neigt dazu, diffuse und scheinbar unvollständige Wahrnehmungs­bilder und -strukturen zu komplettieren und vertrauten Mustern und Formen anzugleichen. Dabei scheinen die Art und Gestalt der Trugbilder von der Erwartung des Gehirns abzuhängen.

Eigentlich kennen wir dieses Phönomen natürlich von den sgn. “Tintenklecksbildern” des Rorschach Tests. Hier allerdings stellen wir gerne die Wahrhaftigkeit der dazu geäusserten Assoziationen in Frage. Anders bei Phänomenen der Aussenwelt: in ihnen glauben wir gerne, besonderen Sinn entdecken zu können.

Wie dem auch sei: Pareidolien befeuern natürlich die Phantasien all jener, die sich gerne mit Grenzphänomenen beschäftigen und ihnen ein Stück weit zu folgen gewillt sind. Auf alle Fälle werden sich Fantasy- und SciFi-AutorInnen interessanten Vorlagen holen können. Zum *Marsgesicht” oder zur oben angesprochenen Tür fiele mir selbstverständlich auch so Einiges ein.


#Mars #Pareidolie #Wahrnehmung

Ein ganzes Kapitel in Ruth Blums Buch Blauer Himmel. grüne Erde ist den Kräutern gewidmet. Wir befinden uns chronologisch in der Mitte des 20. Jahrhunderts, die soziale Gruppe sind die Weinbauern des Ortes. Da wird noch viel vom Hexenwerk der alten Kräuterweiber spürbar.

Es ist das Refugium der Grossmutter und ihrer Hausmittel, in das wir eingeführt werden. Ihr Wissen beruht auf sgn. Volksweisheit, welche noch zusätzlich durch ein altes Arzneimittelbuch aus dem 19. Jahrhundert gestützt wird.

Neben der Tür befand sich Grossmutters Kräuterkammer, ein kleines düsteres Verlass mit vergittertem Fenster. Hier reihten sich auf schmalen Gestellen an die dreissig sauber beschriftete Bleckbüchsen aneinander, angefüllt mit getrockneten Heilkräutern, Blüten und Wurzeln. Auf der Etikette war meistens vermerkt, wozu die betreffenden Pflanzen nützlich waren. Man konnte es da in den steilen, scharfwinkligen Zügen der alten Frau Stabhalterin lesen: “Odermennig gegen Gliederschmerzen” – “Tausendgülden gegen Magenkrebs” – “Katzenschwanz für die Wassersucht”. So ging es weiter mit Huflattich, Schafgarbe, Königskerze und Wegerich -Gott weiss, wie all diese Kräuter heissen mochten. Mit den teebüchsen hatte sich die Kräuterkammer aber nicht erschöpft. Da gab es in Tiegeln und Fläschchen allerlei heilende Salben und Extrakte, von der kundigen Hand der Grossmutter selber hergestellt. Ich nenne nur die Walwurzensalbe für Verstauchungen, das Kerbelwasser für den “sturmen” Kopf, das Johannesöl für jeden innern und äussern Brand, vor allem aber das Allerwelts-Zugpflaster “Eissentod”, welches gebraut wurde aus sieben Weinbergschnecken, sieben Spinnennetzen, sieben Hühnerkegeln und einem Pfund Eberschmalz unnd alljährlich eingesotten werden musste in der Karfreitagnacht.

Und wie immer, wenn die Beschäftigung mit einem Gebiet eine intensive ist und alljährlich geübt wird, verfestigen sich Glaubenssätze zu Regeln, die die Welt bewegen sollen. Die Idee macht sich jene untertan, über die man Macht zu besitzen glaubt. Bis sich diese wehren. Die Listen der Ohnmacht sind dabei vielfältig. Das reicht vom offenen Widerstand der Kinder bis zur listenreichen Akzeptanz des Grossvaters.

Ich muss an einen über achtzigjährigen Bekannten (aus Schaffhausen) denken, der mir gegenüber steif und fest behauptet hatte, sich selbst mehrmals mit der Einnahme von selbstgepflückten und -gebrauten Schwedenkräutern von seinem Krebsleiden geheilt zu haben. Ähnlich auch die Grossmutter in Ruth Blums Roman. Sie verschreibt sich mit Haut und Haaren und der gesamten Familie dem von ihr so genannten “Kardenbenedikt”, das sie anbaut, trocknet und den Familienmitgliedern zur Vorbeugung verabreicht, meist über langgezogene Kurperioden. Es ist die unbestrittene Königin ihrer Apotheke.

Das vornehmste Heilkraut des Hauses war zweifellos der Kardenbenedikt, auch Cardo benedictus oder gesegnete Distel genannt.

Sie half einfach gegen “Alles” und so stand es auch auf dem Etikett des Gefässes, in dem sie aufbewahrt wurde. Mehr als ein Kapitel hat Ruth Blum diesem Kraut und seinen folgenreichen Wirkungen in ihrer Familie gewidmet. Welch traumatische Erfahrung!


#Distel #Pflanzen #Kräuter

#Gundermann #Pflanzen #Tee Ein gern gesehener Nachbar des Waldmeisters ist der Gundermann. Der Taubnessel ähnlich blüht er bis in den Juli hinein im Schatten vor sich hin, einem Unkraut gleich, das man im eigenen Garten nicht haben möchte. Weshalb, das weiss niemand zu sagen: vielleicht weil er so hartnäckig häufig verbreitet ist? Das Gänseblümchen ist es ja wohl auch.

Der Gundermann ist auch unter Gundelrebe bekannt. Und in beiden Wörtern steht GUND drin. Das kann im Altochdeutschen zweierlei bedeuten: (1) Der Bestandteil für einen Frauennamen, der sich als Kleine Kämpferin interpretieren lässt, wie in Kunigunge, Hildegund etc. (2) Es gibt auch eine eher unappetittliche Herleitung: Gund war im Althochdeutschen die Bezeichnung von Geschwür, Eiter und Sekretion. Das führt uns schon näher heran zur Anwendung der getrockneten Blätter als Tee. Denn der Gundermann ist entzündungshemmend und gut gegen Erkältung. Aber auch als (sparsam verwendetes) Gewürz findet er gerne seine Anwendung.

Herstellung: Den Gundermann als Ganzes (ohne Wurzel) pflücken: dabei aber nicht mit der Taubnessel verwechseln. Seine Blätter zur Probe zwischen den Fingern reiben: er riecht so schön aromatisch. Dann die ganze Pflanze im Schatten trocknen und danach in kleine Stückchen schneiden. In ein dunkles Glas geben und fertig ist das Teesubstrat.

Wie sagt Hildegard von Bingen so schön:

„ ... Aber wenn üble Säfte den Kopf wie »doum« plagen, so daß auch seine Ohren tosen, der bringe Gundelrebe in warmem Wasser zum Sieden, und nach Ausdrücken des Wassers lege er sie so warm um seinen Kopf, und sie mindert das »doum« in seinem Kopf und öffnet sein Gehör.”

#Pflanzen #sirup #Waldmeister

Zubereitung von Waldmeistersirup. Eine Unterweisung

Im Frühling wächst im schattigen Wald der Waldmeister. Machen wir also Sirup daraus, bei aller gebotenen Vorsicht. Der Waldmeister ist zwar wegen seines typischen, aromatischen Geruchs gefragt, dieser stammt aber vom sekundären Pflanzenstoff Cumarin. Letzterer ist, in höheren Dosen eingenommen, gesundheitsschädlich. Er verursacht dann Kopfschmerzen, Schwindel und Erbrechen.

Pflücken: April oder Mai werden die geeignete Monate sein. Orte sind die schattigen Plätzchen im Walde, die abseits von Hundewegen liegen. Einfach in ein Stoffsäckchen hineinpflücken. Um ein wenig den Unverträglichkeitsfaktor des im Waldmeister enthaltenen Cumarin zu umgehen, empfiehlt es sich, Pflanzen zu sammeln, die noch keine weissen Blüten tragen, die grünen Blätter von den Stengeln zu trennen (letztere sind relativ bitter) und die Blätter zwei bis drei Tage antrocknen zu lassen (dann entwickelt sich das Aroma erst so richtig).

Zubereitung: 750 ml Wasser werden mit 400 g Zucker aufgekocht, bis ein recht klarer Sirup entstanden ist. Danach eine dünngeschnittene Zitrone oder Limette mit den angetrockneten Waldmeisterblättern hinzufügen. Abkühlen lassen und dann im Kühlschrank drei Tage setzen lassen. Danach filtrieren und den Sirup nochmals aufkochen. In saubere Flaschen abfüllen. Der Sirup sollte ungeöffnet ca. ein Jahr lang haltbar sein.

Apercu: Ach ja, Waldmeister heisst auch eine Operette von Johann Strauss (Sohn) aus dem Jahr 1895, wie so oft eine verwirrende Liebesgeschichte mit Happy End. Den Namen bekam sie von einer Waldmeistwerbowle, die dabei eine wichtige Rolle spielt.