Klaviergeklimper & Monte Verità.
Die Abendsonne färbt die zarten Wolken rosarot. Die Herbstfeste werfen hier an der Küste ihre Schatten voraus wie hier das Lichterfest.

Die Abendsonne färbt die zarten Wolken rosarot. Die Herbstfeste werfen hier an der Küste ihre Schatten voraus wie hier das Lichterfest.

Sommer und Herbst an einem Tag!
Morgens und abends ist es kalt an der Küste, die Blätter fegen über die Straße – dazwischen heiss, so dass die Haut brennt und das Wasser aufwärmt.
Einer der dicken Pötte hat heute ein Wendemanöver auf See geleistet. Ein Containerschiff, nur noch ein paar Meter vom Skandinavienkai entfernt, drehte plötzlich mitten auf See um und fuhr davon.
Der Skandikai – wie die Einheimischen sagen – wurde nicht angefahren.
Warum, weshalb, wieso? Werden die Lokalnachrichten darüber berichten?
Diese Staycation arten in ein Kreativtreff aus. Klavier lernen, lesen, malen.
Aber für den Augenblick einfach kein Stress und am Steg abhängen, in die Sonne blinzeln, Pötte beobachten und schwimmen.

Obwohl …
Hier im Norden heißt es Sonnabend. Wenn ich das früher hörte, dachte ich, aha, ein Nordlicht also! Die meiste Zeit meines Lebens hieß dieser Tag Samstag. Damit verbinde ich schwarze Farbe und ein Tier. Ein Sams. Eine Art Biber. Oder so wie das, was sich Frauen früher um den Hals legten. Einen weichen Fuchs, aber eben in schwarz. Seltsam, oder? Als neues Nordlicht übernehme ich daher gerne:
Sonnabend! Da steckt Leuchtkraft drin. Sonnenschein. Der Sonntag scheint durch den Abend schon hinein.

Wasser wärmer als die Luft,
leichtes Sprühen von unten
oder war es oben?
Wolkendrama.
Klares Wasser,
Möwenwirbel,
Schwanenschwimmen,
Entenbaden.
Meerschwimmen 2025.
Der Boden ist nass vom Regen. Es ist herbstlich. Nur vereinzelt zwitschert noch ein Vogel. Die Möwen jammern.
Da zünde ich am Klavier schon mal ein Kerzlein an. Hier gibt es gerade Stücke von Ludwig van Beethoven (Piano Sonata No. 8), Frédéric Chopin (Étude Op. 10 No. 3), Erik Satie (Gnossienne No. 1) und Franz List (La Campanella) zu üben. Ich liebe es! Sie sind zum Glück so aufbereitet, dass Schülerinnen, die gerade mal die Grundlagen beherrschen, sie spielen können.

Wenn ich das Fenster öffne,
brandet das Meer von den Ufern herauf.
Das Möwengeschrei geht darin
unter.
Wind und Wellen
brausen auf.
Eine Märzsonne,
die wenig lacht.
Vogelgezwitscher,
das im Lärm untergeht.
2 Drachen am Himmel.
Übriggebliebene?
Steinestrand,
Hundefreude,
Zustrom,
Flüchtlinge,
Karneval.
Möwenschrei,
Sonnenschein,
Bauzaun,
“Wo, Hase?”
fragt der Mann die Frau.
Die letzte Sturmflut
gab ihr den Rest.
Jetzt ist sie eine Baustelle.
Metallene Gitter hindern das Betreten.
Am Anfang war da gar kein Holz
und viele Möwen.
Dann Bauarbeiter.
Dann helles Holz.
Eingepackt in dicke Wintermäntel
wandern die Besucherströme an ihr vorbei.
Die Sonne strahlt.
Auf dem Spielplatz sitzt sie, hoch oben,
der verlassen in der Kälte bibbert.
Sie hält Aussicht nach den Kindern,
den Menschen dem Sommer
… Emma, die Möwe.
Immer mit dem Kopf im Wind.
“Herbst? Warum nicht;
es ist ja alles bereit, die Früchte sind groß,
und die kleinen Störche sind von den großen nicht mehr zu unterscheiden.
…
Ist es nicht, als wäre er das eigentlich Schaffende, schaffender als denn der
Frühling, der schon gleich ist, schaffender als, wenn er kommt mit seinem
Willen zur Verwandlung und das viel zu fertige, viel zu befriedigte, schließlich
fast bürgerlich-behagliche Bild des Sommers zerstört?”
schreibt Clara Rilke 1904 in ihren Briefen.
Zugegeben, ich habe den Rilke noch nicht beiseite gelegt, die Zeilen stammen aus seinem Büchlein “Herbst”.
Herbstliches Laub fegt über die Strandpromenade. Eine kleine Invasion von Feuerquallen hat die Schwimmroutinen unterbrochen. Es ist die Zeit im Jahr, wenn sie das Dorf erreichen. Ende August.