“Mir wird klar, dass es lange her ist, seit ich zuletzt eine Möwe hier im Hof gesehen habe, wo man doch früher kaum etwas essen konnte, ohne von einem ganzen Schwarm umringt zu werden. Ohne ihre lautstarken Kämpfe um die Essensreste ist es viel stiller hier.”
Das ist zum Glück nicht die Gegenwart, sondern eine befürchtete Zukunft in dem Buch Zugvögel.
Denn hier ist das Gegenteil der Fall. Heute war das Wetter über Mittag plötzlich angenehm, so dass ich beschloss, es doch nochmal zu wagen. 16 Grad Wassertemperatur ist im Juni meine Grenze, bei der ich hier in das Ostseeschwimmen einsteige. Bislang ging es im September nicht über den 08. September hinaus. Aber noch sind es laut App 16 Grad.
Hier im Norden heißt es Sonnabend. Wenn ich das früher hörte, dachte ich, aha, ein Nordlicht also! Die meiste Zeit meines Lebens hieß dieser Tag Samstag. Damit verbinde ich schwarze Farbe und ein Tier. Ein Sams. Eine Art Biber. Oder so wie das, was sich Frauen früher um den Hals legten. Einen weichen Fuchs, aber eben in schwarz. Seltsam, oder? Als neues Nordlicht übernehme ich daher gerne:
Sonnabend! Da steckt Leuchtkraft drin. Sonnenschein. Der Sonntag scheint durch den Abend schon hinein.
Neben dem grün-weissen Leuchtturm an der Nordermole
steht ein Tannenbaum.
Ungeschmückt. Natürlich. Grün.
Je nach Perspektive klein oder groß. Wie der Leuchtturm selbst.
Die Trelche am Anfang der Mole schauen über ihn hinweg aufs Meer. Wenn sie nicht gerade mit den Vorbeigehenden sprechen, so dass man sich überrascht umschaut. Wer war das?
In der Vorderreihe drängen sich kleine Weihnachtsbuden an der Trave entlang bis zum Kreuzfahrtterminal. Deswegen legt auch das Traumschiff nicht an.
Er fand es demjenigen am Meeresstrand in mehrfacher Hinsicht verwandt: die Urmonotonie des Naturbildes war beiden Sphären gemeinsam; der Schnee, dieser tiefe, lockere Pulverschnee, spielte hier ganz die Rolle wie drunten der gelbweiße Sand;
gleich reinlich waren die Berührungen mit beiden, man schüttelte das frosttrockene Weiß von Schuhen und Kleidern wie drunten das staubfreie Stein-und Muschelpulver des Meeresgrundes, ohne dass eine Spur hinterblieb und auf ganz ähnliche Weise war das Marschieren im Schnee wie eine Dünenwanderung,
es sei denn, dass die Flächen von Sonnenbrand oberflächlich angeschwollen, nachts aber hart gefroren waren, dann ging es sicher leichter und angenehmer darauf als auf Parkett – genau so leicht und angenehm wie auf dem glatten festen, gespühlten und federnden Sandboden am Saume des Meeres.